Jugendliche, die von Erziehern gedemütigt und körperlich angegriffen werden, die man durch knappe Mahlzeiten bestraft oder zum Sport zwingt – all das ist bekannt aus dem Jugendheim Friesenhof im Kreis Dithmarschen, wo Hamburg jahrelang schwer erziehbare Mädchen untergebracht hat. Nun ist es wieder geschehen, in einem Jugendheim eines anderen Anbieters im Kreis Schleswig-Flensburg.

Man könnte das für einen Skandal halten, wie es die Hamburger Linken tun. Oder für die "Spitze eines Eisbergs", wie die Piratenfraktion in Schleswig-Holstein behauptet. Wahrscheinlich ist es allerdings nichts von dem.

Staatliche Erziehungsmaßnahmen, ausgeführt von freien Trägern, vollziehen sich in einer Schattenwelt. Für die Öffentlichkeit gibt es bunte Internetseiten, gerne verziert mit einem Zitat aus der UN-Kinderrechtskonvention. Die Betreiber der Heime können sich, wenn sie es wollen, auf Kosten ihrer Zöglinge bereichern – etwa durch Einstellung unqualifizierter und darum billiger Mitarbeiter. Es gibt offenbar Unternehmer, die diese Gelegenheit nutzen, so wie es Steuerhinterzieher, Ladendiebe und Falschspieler gibt. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass diese Art von Missbrauch üblich wäre.

Die Fälle, die Linke und Piraten nennen, liegen etwas zurück, es sind wenige, sie beziehen sich überwiegend auf diese eine Einrichtung bei Schleswig – und sie sind den Behörden größtenteils längst bekannt. Ein körperlicher Übergriff – oder nur der Vorwurf – wurde Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens, andere Übel hat der Träger eingeräumt und angeblich abgestellt. Auf massenhaften Machtmissbrauch im Normalvollzug der Jugendhilfe deutet wenig hin.

Grund zur Zufriedenheit gibt es trotzdem nicht. Mangel an ausreichend qualifiziertem Personal ist allgegenwärtig. Die Einrichtung, die nun in die Kritik geraten ist, sucht Erzieher und Sozialpädagogen, gerne mit spezifischer Zusatzausbildung, für Arbeit im Schichtdienst in einem entlegenen Nest. Wer hat darauf Lust? Manche Probleme sind wohl nur mit Geld zu lösen. Der Staat kann nicht alles kontrollieren. Aber er kann Verhältnisse schaffen, in denen Missbrauch die Ausnahme bleibt.