Einmal hat er vorgeschlagen, Ferien an einem Ort zu machen, den sie schon kannten. War doch schön da, wollen wir nicht wieder hin? Sie hat abgewinkt: Nee, da waren wir schon mal, wir machen was Neues.

"Sie liebte den Aufbruch, da war sie ganz Protestantin", sagt Fulbert Steffensky über seine langjährige Frau Dorothee Sölle, die evangelische Theologin und Dichterin. Sie war rastlos. Er, der ehemalige Katholik, konnte auch der Kontinuität etwas abgewinnen. "Neuheit als Prinzip, das ist so eine protestantische Macke. Man weiß nie, was kommt."

Über protestantische Macken redet Steffensky liebevoll und gern. Genau wie über katholische. Er kennt beide Konfessionen gut, hat zuerst katholische, später evangelische Theologie studiert. Dreizehn Jahre lebte er als Benediktinermönch, dann verließ er den Orden, konvertierte, heiratete Dorothee Sölle, lehrte evangelische Religionspädagogik in Hamburg. Zu kritisieren gäbe es für ihn genug, sowohl an der evangelischen als auch an der katholischen Kirche. Aber er sagt nur so viel: "Glaube hat immer mehrere Sprachen, das haben beide Kirchen lange nicht begriffen. Keine wollte ihre Einmaligkeit infrage stellen."

In seiner Kindheit sah das so aus: 1933 geboren, wuchs Steffensky im katholischen Saarland auf – zu einer Zeit, als es dort "so selbstverständlich war, katholisch zu sein, wie zu atmen". Von Protestanten hielt man sich fern, ihnen fehlte der anständige Glauben. Die wiederum pflegten ihre Katholikenverachtung. Steffensky erinnert sich, wie sein Schwiegervater über einen neuen Kollegen sagte: "Er ist katholisch, aber klug." Mischehen wurden auf keiner Seite gern gesehen. Steffensky meint: "Für viele solcher Paare war es schwer, im Glauben einig zu sein."

Bei ihm und Sölle war es anders. Was sie trennte, interessierte weniger als das, was sie verband. Beide setzten sich in den sechziger Jahren für Reformen in ihren Kirchen ein. Sie wollten über politische Themen sprechen – über den Vietnamkrieg, über die Abrüstung – und was Christen dazu zu sagen hatten. Wenn man Steffensky fragt, wie es sein konnte, dass evangelisch–katholisch keine Rolle spielte zwischen ihm und seiner Frau, antwortet er: "Je mehr man die großen Fragen entdeckt, desto mehr verdorren kleinere."

Das Katholische hat sich nicht aufgelöst mit seinem Eintritt in die evangelische Kirche. "Es war kein dramatischer Schritt, eher ein praktischer." Er hatte das Kloster verlassen, ohne Rom um Erlaubnis zu bitten. Deshalb wurde er exkommuniziert. Seinen Mönchsnamen Fulbert hat er behalten. "Ich wollte diesen Abschnitt meines Lebens nicht wegwischen." Freiwillig wäre er nie aus seiner Kirche ausgetreten.

Zur Hochzeit kamen dann auch Heinrich und Annemarie Böll, dazu einige Freunde aus dem Orden. Und das Zölibat? Steffensky findet, das gehöre zum "Charisma" der Kirche: "Aber das Zwangszölibat für Priester wirft viele ins Unglück."

Gefühlt hat er immer katholisch. Doch schon im Kloster lernte er, ökumenisch zu denken. Der katholische Absolutheitsanspruch bekam Risse, darin wuchsen Zweifel, Toleranz und Ehrfurcht vor dem anderen. Die Klöster, sagt er, waren intellektuell immer weiter als die Großinstitutionen. Genau wie die Reformgruppen, die es einfach probierten: zusammen beten, zusammen Abendmahl feien, auch wenn Rom offiziell dagegen war. Steffensky hat beide Seiten immer wieder dazu aufgerufen: Geht zum Abendmahl der anderen! "Dass das möglich ist, lernt man nur, indem man es tut."