Er ist katholisch. Sie ist evangelisch. Die beiden haben nur standesamtlich geheiratet, 2015, ganz klein, während eines Festivals, in Shorts und mit Dosenbier. Die Kirche sei ihnen all die Jahre nicht wichtig gewesen, sagt er. Bis ihr Sohn Willem auf die Welt kam. Er wollte ihn taufen lassen. Sie wollte es nicht. "Da haben wir angefangen zu streiten", sagt er.

Hendrik Große-Homann ist 32. Seine Frau Freda Lotta Wilms 28. Beide kommen aus einer kleinen Stadt an der niederländischen Grenze, Rhede, katholische Gegend. In der Schule gab es für jede Klasse katholischen Religionsunterricht. Die evangelischen Kinder einer Stufe kamen mit den Konfessionslosen zusammen, insgesamt waren es vielleicht zwölf. So erinnern sie sich. Große-Homann ging zur Kommunion, zur Firmung ging er schon nicht mehr. Er hatte mit der Kirche kaum etwas zu tun – nur im Sommer, da war er mit der Gemeinde unterwegs: Zeltlager im Sauerland, Lagerfeuer, Fußballspielen. Das fand er großartig. So großartig, dass er solche Erlebnisse auch seinem Sohn mitgeben will.

Geht das nur mit einer Taufe? Hendrik Große-Homann findet: Ja. Denn nur als Mitglied einer Gemeinde kann man spüren, was die Kirche an Gemeinschaft bietet. Kirche, das ist für ihn etwas Soziales, eine Lebensform.

Und weil ihm die Nächstenliebe wichtiger ist als die Liebe zu seiner eigenen Kirche, machte er mit seiner Frau einen Deal: Das Kind wird getauft – evangelisch. Und das kam so:

Sie sagte: Du willst doch nur eine große Feier haben.

Er sagte: Nein, ich will, dass Willem die Kirche kennenlernt und später selbst entscheidet, ob er Teil von ihr sein will.

Sie sagte: Du willst, dass unser Kind in der Kirche sozialisiert wird; in der katholischen Kirche wird es mit einer Ungleichbehandlung der Geschlechter groß, das will ich nicht.

Er sagte: Da gehen mir die Argumente aus.

Sie sagte: Wir kennen hier in Hamburg überhaupt keine Gemeinde.

Er sagte: Dann lernen wir eine kennen.

Darauf ließ sie sich ein. Zu dritt gingen sie in eine evangelische Kirche, gleich gegenüber ihrer Wohnung. Im Kindergottesdienst krabbelten die Babys über den Boden, die Pastorin saß mitten unter ihnen, die Kinder stellten Bibelstellen mit Figuren nach. Er habe sich erst einmal daran gewöhnen müssen, dass alles so locker war, sagt Hendrik Große-Homann.

Einmal kamen sie, um zu fragen, ob sie ihren Sohn taufen lassen können. Aber dann saßen sie am Tisch mit den anderen Eltern und hörten sie über Katholiken sprechen: Katholische Mädchen dürfen keine Messdiener werden, sagten sie. Und: Katholische Priester behaupten, eine evangelische Braut müsse erst konvertieren, um katholisch heiraten zu dürfen. Hendrik Große-Homann, der Katholik, saß dabei. Er traute sich nicht, etwas zu sagen. Aber er ärgerte sich. Auch wenn ihn vieles an seiner Kirche aufregt, auch wenn er sein Kind evangelisch taufen lassen will: Diese Vorurteile und Klischees gehen ihm auf die Nerven.

Sie fragten also nicht, ob sie das Kind taufen lassen können. Sie gingen wieder. Große-Homann aber will wiederkommen. Er will mit den anderen Eltern reden. Er will sie nicht bekehren, aber fragen: Was soll das, diese Unterschiede so stark zu machen! So groß sind die nun wahrlich nicht, denkt er. Er wird sich anpassen, er wird sein Katholischsein ein klein wenig verstecken. Eins aber wird Große-Homann nicht machen: konvertieren. "Das klingt jetzt vielleicht bescheuert, aber ein bisschen ist es doch wie beim Fußball: Dein Verein bleibt dein Verein. Egal, ob du selber in eine andere Stadt ziehst oder ob der Verein in die zweite Liga absteigt, du bleibst ihm treu."