Vermutlich gibt es auf der großen, weiten Welt sogar irgendein Wie-wir-Buch, das zu empfehlen wäre. Wie wir ja zu allen Regeln Ausnahmen finden. In diesem Falle aber raten wir ab: im Besonderen von Richard Nisbetts Buch Einfach denken! Wie wir alltägliche Denkfallen vermeiden und die richtigen Entscheidungen treffen, wie wir tatsächlich im Allgemeinen von allen Wie-wir-Büchern abraten. Den angesehenen Kognitionspsychologen Richard Nisbett erwischt es an diesem Platz also stellvertretend für alle Autoren, die Lesende als gebrauchsanweisungsbedürftige Mängelwesen im ständigen Selbst-Korrektur-Modus anreden, in jenem Suggestiv-Plural des "Wir Menschen", gern mit Ausrufezeichen. Wie "Wir Menschen" anders werden! Welche Instrumente wir dafür brauchen! Der Plural ist unpassend gewählt: Wir sind verschieden, und Unterschiedenes ist gut. Das Verfahren ist illusionär: Beim Wie kommt erfahrungsgemäß oft etwas dazwischen, schon wegen des Zauderrhythmus des Lebens. Der Imperativ wirkt sich auch ungünstig aus: Man fühlt die Absicht und ist verstimmt. Nisbett rät, wir sollten bei dem, was uns durch den Kopf geht, auf den Kontext achten, der mächtig viel Einfluss habe. Klar. Und Menschen könnten sich ändern. Ja. Stimmt auch. Nisbett möchte, dass wir uns Meinungen zu Korrelationen von Variablen bilden. So in der Art, usw., also wir raten jedenfalls ab.

Richard E. Nisbett: Einfach denken! Wie wir alltägliche Denkfallen vermeiden und die richtigen Entscheidungen treffen. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M., 399 S., 24,99 €