Elton John setzt eine Löwenperücke auf. Adele verschüttet ihren Tee. Chris Martin kauft Limonade am Straßenstand. Justin Bieber redet sehr ernst über seinen Kinderwunsch. "So haben Sie die Stars noch nie gesehen!", würde die Gala titeln; doch hier titelt niemand Schlagzeilen, stattdessen wird gesungen. Laut, zu sehr lauter Musik, schließlich ist man unter sich, quasi zu Hause: im Auto. Als Ort, an dem stimmlich die Sau rausgelassen wird, hat es die Dusche längst abgelöst, der britische Moderator James Corden hat das erkannt und damit ein neues Genre erschaffen.

"Carpool Karaoke" ist Teil seiner amerikanischen Sendung The Late Late Show, die Clips sind auf YouTube zu sehen. Das Prinzip ist simpel: Auf dem Weg zur Arbeit quer durch Los Angeles nimmt Corden einen prominenten Sänger mit, plaudert zwischen Stau und roter Ampel und stellt irgendwann die unschuldige Frage: "Hören wir ein bisschen Musik?"

Was folgt, ist großer Pop: Stars, die ihre eigenen Superhits mitplärren, als wären sie Teenies, die ihr Idol vor dem Spiegel imitieren und in eine Bürste singen. Jennifer Lopez, Rod Stewart, Stevie Wonder, in der letzten Folge Gwen Stefani, dazu als Hintergrundchor auf der Rückbank: George Clooney und Julia Roberts. Hier sieht man, wie Stars beim Lümmeln auf dem Beifahrersitz aussehen, wie sie beim Singen pathetisch ihr Gesicht verziehen, Textschwächen durch hochemotionales Gestikulieren überbrücken – ganz so wie wir. Nirgends kann sich Popmusik schöner entfalten als hier: zu Hause im Auto.