Keiner unter den Männern seiner Entourage stand Hitler so nahe wie Albert Speer, sein Lieblingsarchitekt und Rüstungsminister. Und keiner hat es nach 1945 so geschickt verstanden, seine Rolle zu verschleiern. Im Nürnberger Prozess als Kriegsverbrecher verurteilt, startete Speer nach Verbüßung der Strafe in der Bundesrepublik eine zweite Karriere als gefeierter Buchautor. Mit seinen Erinnerungen und den Spandauer Tagebüchern prägte er das Bild vom "guten Nazi", der unschuldig schuldig geworden sei.

Diese Neuerfindung war freilich nicht allein sein Werk. Bei der Fabrikation seiner Legende standen ihm der Berliner Verleger Wolf Jobst Siedler und der Publizist und spätere FAZ-Herausgeber Joachim Fest zur Seite. Viel ist über die drei geschrieben worden. Wie eng die Zusammenarbeit war und wie nah sie sich auch persönlich kamen, enthüllen aber erst die unveröffentlichten Korrespondenzen im Speer-Nachlass im Bundesarchiv Koblenz, die bislang nicht ausgewertet wurden. Sie bieten das Bild einer publizistischen Komplizenschaft, wie man sie nicht für möglich gehalten hätte.

Der erste Brief aus dem umfänglichen Konvolut stammt vom 2. Oktober 1963. Wolf Jobst Siedler, der Leiter des Propyläen-Verlages in West-Berlin, richtet sich mit einer Bitte an Margarete Speer in Heidelberg: Er würde "sehr gern" die Erinnerungen ihres Mannes herausbringen. Ob es ihr wohl möglich sei, mit ihm "in dieser Angelegenheit Verbindung aufzunehmen". In drei Jahren, Ende September 1966, soll Albert Speer aus dem Spandauer Kriegsverbrechergefängnis entlassen werden, und Siedler will sich rasch die Rechte an den Memoiren sichern.

Da der Propyläen-Verlag zum Ullstein-Springer-Konzern gehöre, würde sich ein Vorabdruck in einer der Zeitungen des Hauses anbieten, lockt er. Außerdem hätten schon einige ausländische Verlage ihr Interesse bekundet. "Damit, sehr verehrte gnädige Frau, ist auch schon gesagt, daß die Frage des Honorars keine unüberwindlichen Schwierigkeiten aufwerfen wird." Um Margarete Speer die Sache zusätzlich schmackhaft zu machen, weist Siedler darauf hin, dass sein Onkel, der Architekt Eduard Jobst Siedler, "mit Ihrem Herrn Gemahl sehr gut bekannt" gewesen sei.

Der Mann, den der Verleger so heftig umwirbt, ist einer der größten Verbrecher des "Dritten Reiches". Als Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, der mit dem Umbau Berlins zur "Welthauptstadt Germania" beauftragt war, hatte er Tausende Juden aus ihren Wohnungen vertrieben, um Platz zu schaffen für "arische" Berliner aus jenen Quartieren, die er für die geplanten Großbauten abreißen ließ. Seine Behörde hatte gemeinsam mit der Gestapo die Listen mit den Berliner Juden erstellt, die von Oktober 1941 an "in den Osten" deportiert und umgebracht wurden. Als Rüstungsminister seit 1942 hatte Speer über ein Millionenheer von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen geboten, von denen sich Abertausende in den Arbeitshöllen seines Rüstungsimperiums zu Tode schuften mussten.

Dennoch war es Speer gelungen, im Nürnberger Prozess 1945/46 seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Im Unterschied zu den Mitangeklagten gab er sich als Geläuterter und bekannte sich in allgemeinen Wendungen zu seiner Verantwortung, wies aber jede Beteiligung an den Massenverbrechen von sich. Er stilisierte sich zum unpolitischen Technokraten, der zeitweilig den teuflischen Verführungskünsten Hitlers erlegen sei, sich gegen Ende des Krieges aber von ihm distanziert und seinen Zerstörungsbefehlen widersetzt habe. Auf die Richter machte das Eindruck. Während Speer mit milden 20 Jahren Haft davonkam, wurde Fritz Sauckel, der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, der ihm zugearbeitet hatte, gehängt.

Im Spandauer Gefängnis wob Speer eifrig weiter an seiner Legende. Über eine Sache könne er sie beruhigen, versicherte er seiner Frau im März 1949, "über das schreckliche Ende der Juden war ich nicht unterrichtet, und auch die anderen Dinge, die in Nürnberg eine so große Rolle spielten, waren mir größtenteils neu".

Auf Hunderten von Zetteln schrieb Speer seine Erinnerungen nieder. Sie wurden als Kassiber aus dem Gefängnis geschmuggelt – zu seinem Freund und ehemaligen Mitstreiter Rudolf Wolters in Coesfeld, der die Notate abtippen ließ. So lag bereits ein Rohmanuskript vor, als Speer im Herbst 1963 die Anfrage Siedlers erreichte. Der Häftling veranlasste seine Familie, "den Verlag zunächst freundlich hinzuhalten": "Immerhin reizt mich der Gedanke, meine Memoiren unter einem Signet erscheinen zu lassen, das mir seit Assistententagen, als ich die Propyläen-Kunstgeschichte las, wohlvertraut ist."

Als Speer am 30. September 1966 auf freien Fuß kommt, ist die Sache also noch nicht entschieden. Nur drei Tage nach seiner Entlassung, am 3. Oktober, schreibt Siedler einen Brief an den "sehr verehrten Herrn Professor Speer". Darin erneuert er sein Angebot: Der Verlag würde "es sich zur Ehre anrechnen [...], Sie unter seinen Autoren zu begrüßen".

Speer zeigt sich noch unschlüssig: Ihn schaudere bei dem Gedanken, "in allernächster Zeit die Stickluft der Vergangenheit [...] heraufbeschwören zu müssen", antwortet er. Andererseits wolle er sich nicht der Verpflichtung entziehen, "ernsthaft" Rechenschaft abzulegen. So schlägt er vor, zunächst nur "eine Art Vorvertrag" abzuschließen. Der endgültige Vertrag wird erst am 18. Oktober 1967 unterzeichnet. Als Abgabetermin des Manuskripts setzt Speer den 1. August 1968 fest.

Inzwischen hat Siedler Teile des ursprünglichen Manuskripts gelesen und äußert sich begeistert über die "noble Weise", in der sich Speer mit der Vergangenheit – "der allgemeinen wie der persönlichen" – auseinandersetze. Er sei sich sicher, lässt er ihn Mitte Juni 1967 wissen, dass hier "ein großes und wichtiges Memoirenbuch" im Entstehen sei.

Als sachkundigen Berater engagiert Siedler, nun Geschäftsführer der Ullstein-Verlagsgruppe, den Publizisten Joachim Fest. Der hat in seinem Buch Das Gesicht des Dritten Reiches (1963) ein Porträt über Speer beigesteuert, in dem er den Sohn aus einer Mannheimer Architektenfamilie als eine "echte Ausnahmeerscheinung" im Kreis der vulgären Parvenüs an Hitlers Hof charakterisiert und ihm "eine Mischung aus politischer Ahnungslosigkeit und fachmännischer Engstirnigkeit" bescheinigt – eine Deutung, die dem Selbstbild nahekam, das Speer von sich entworfen hatte. Der eloquente Journalist trägt sich seit Ende 1966 mit dem Gedanken, seinen Posten als Chefredakteur beim Norddeutschen Rundfunk aufzugeben und eine Hitler-Biografie zu verfassen. Da kommt ihm die Möglichkeit, mit dem Mann aus der engsten Umgebung Hitlers eine Quelle aus erster Hand anzuzapfen, wie gerufen.

Fest ist eine doppelte Aufgabe zugedacht: Zum einen soll er das mehr als zweitausendseitige Speer-Konvolut straffen und ihm stilistischen Feinschliff geben; zum anderen soll er als "vernehmender Lektor" tätig werden, das heißt, Erinnerungslücken Speers ausfindig machen und ihn drängen, sie auszufüllen.

Den Briefen im Bundesarchiv nach haben die beiden Männer von Anfang an Gefallen aneinander gefunden. Er sei sich sicher, dass ihre "künftige Zusammenarbeit sich angenehm und fruchtbar entwickeln" werde, schreibt Fest am 22. August 1967 an Speer. Und nach einem Treffen auf Sylt im September bedankt Fest sich für "drei sehr angenehme Tage". Diese hätten sie "nicht nur in der Sache ein gutes Stück weitergebracht", sondern auch die bereits beim "ersten Zusammentreffen hergestellten persönlichen Beziehungen intensiviert".

Auch Siedler ist von der Persönlichkeit Speers äußerst angetan. "Es war ganz besonders reizend neulich bei Ihnen", schreibt er ihm Anfang Mai 1968. "Wenn Sie wieder einmal unter dem schlechten Heidelberger Wetter leiden, müssen Sie mich nur anrufen, damit ich durch mein Herbeieilen für Wärme und Sonne sorge." Gelegentlich macht der Verleger stilistische Verbesserungsvorschläge, was Speer mit der scheinbar zerknirschten Feststellung quittiert, er finde es "etwas beschämend", dass Siedler sich bei ihm "als verspäteter Deutschlehrer betätigen" müsse, sein Stil sei "tatsächlich grauenhaft" geworden. Davon indes ist der Endfassung des Manuskripts dank der Redigierkünste Fests kaum etwas anzumerken.

Beim Versuch, der Erinnerung Speers nachzuhelfen, stößt sein Lektor allerdings auf Grenzen. Zweifellos werde "die Frage auftauchen, ob und seit wann Sie über die Verbrechen des Regimes informiert gewesen sind", lässt er ihn im August 1967 wissen. Doch Speer bleibt seiner einstudierten Rolle treu, reflexhaft Betroffenheit über die Massenverbrechen zu bekunden, allen Auskünften über seinen individuellen Anteil aber auszuweichen. Nur mit Mühe können Fest und Siedler ihn dazu bewegen, einen Passus aufzunehmen, in dem er einräumt, auf der Fahrt in sein Büro am 10. November 1938 die rauchenden Trümmer der Synagoge in der Berliner Fasanenstraße bemerkt zu haben.

Anfang August 1968 verspricht Speer, die letzten Kapitel bis Mitte Dezember fertigzustellen. Er sitze "fast täglich bis in den späten Abend" an seinem Pensum und fühle sich "durch das viele Schreiben etwas erschöpft". Kurz vor Weihnachten legt das Trio in einer dreitägigen Sitzung in Berlin letzte Hand an das Manuskript. Zur Frankfurter Buchmesse im Herbst 1969 kommen die Erinnerungen heraus.

Der Erfolg übertrifft alle Erwartungen, und Siedler muss rasch nachdrucken. Gerade den Angehörigen der älteren Generation, den vielen Millionen Nazi-Anhängern und Mitläufern, bietet das Buch willkommene Entlastung. Mit seiner Biografie scheint Speer zu beglaubigen, dass man als Nationalsozialist an führender Stelle tätig gewesen und trotzdem "anständig geblieben" sein konnte. Und wenn selbst der Vertraute Hitlers und mächtige Rüstungsminister beteuert, von der Judenvernichtung nichts gewusst zu haben – wem darf man dann überhaupt noch einen Vorwurf machen?

Speer erkundigt sich fast täglich beim Verlag nach den Verkaufszahlen, und seine Dankbarkeit gegen Verleger und Lektor kennt, wie den Briefen zu entnehmen ist, keine Grenzen. Siedler schenkt er einen Schreibtisch im Empire-Stil (Kosten: 7.500 D-Mark) und eine Originalskizze Hitlers von 1925: Sie zeigt den gewaltigen Triumphbogen, den Speer für die "Welthauptstadt Germania" hatte bauen sollen. Fest erhält das Pendant, die Originalskizze Hitlers aus demselben Jahr für den Bau der gewaltigen Kuppelhalle, die nach dem Willen des Diktators und seines Architekten das gesamte Projekt krönen sollte.

Vor allem aber sorgt Speer dafür, dass Joachim Fest an den Tantiemen aus dem Verkauf der Erinnerungen beteiligt wird. "Herr Fest hat in langen Diskussionen mit mir um Formulierungen gerungen", erklärt Speer rückblickend, und deshalb habe er es für "angemessen" gehalten, "einen gewissen Prozentsatz der mir vom Propyläenverlag zustehenden Honorare direkt an ihn weiterzuleiten".

Doch nicht nur in finanzieller Hinsicht hat sich die enge Zusammenarbeit für Fest gelohnt. Auf alle Fragen, die sich ihm beim Schreiben seiner Hitler-Biografie stellen, gibt Speer bereitwillig Auskunft. So bekommt er aus dem Munde seines Gewährsmannes intime Informationen über den Diktator und seine Entourage, von denen er ausgiebig Gebrauch macht. Auf diese Weise gelingt es Speer, nicht nur seine eigene Legende vom unpolitischen Technokraten festzuschreiben, sondern zugleich das Bild Hitlers maßgeblich mit zu prägen.

Fests Hitler-Buch erscheint im Herbst 1973 ebenfalls im Propyläen-Verlag. Siedler gibt aus diesem Anlass einen Empfang in seiner Dahlemer Villa, und selbstverständlich ist auch Speer anwesend. Marcel Reich-Ranicki – von Fest, dem neuen Mitherausgeber der FAZ, zum Chef des Literaturteils berufen – hat 1999 in seiner Autobiografie Mein Leben anschaulich beschrieben, wie beflissen sich die Gesellschaft um den Ehrengast bemühte.

In seiner Spandauer Haft hatte Speer annähernd 20.000 tagebuchartige Notizen zu Papier gebracht. Bereits im Januar 1971 regte Siedler an, daraus ein weiteres Buch zu machen. Speer begann, eine Auswahl zu treffen, fügte hier und dort nachträglich etwas hinzu, sodass der Anspruch der Authentizität nur bedingt gelten konnte. Und wieder leisten Siedler und Fest Formulierungshilfe. Anfang 1975 ist der Text fertig, und Siedler verspricht Speer, die Spandauer Tagebücher "mit allen Mitteln zu einem der größten Bucherfolge der Nachkriegszeit" zu machen.

Dazu wolle er ganz groß die Werbetrommel rühren: "Alle Buchhändler Deutschlands und Österreichs werden aufgefordert, am Erscheinungstag des Buches ihre Schaufenster und Vitrinen auszuräumen und mit schwarzem Tuch oder Stoff, das der Verlag liefert, auszuschlagen. Darein kommt nur ein monumentales Foto von Ihnen aus Spandau und zehn, fünfzig oder hundert Exemplare Ihres Buches. Wer diese Sonderdekoration der Verbannung aller anderen Bücher acht Tage lang durchhält, bekommt seine Erstbestellung in signierten Exemplaren." Auf der Vertreterkonferenz sei dieser Vorschlag "mit ziemlichem Enthusiasmus aufgenommen" worden, und Speer solle doch, wann immer er Zeit und Lust habe, "jetzt schon mit dem Signieren beginnen". Als Startauflage druckt Siedler 200.000 Exemplare und lässt sich Papier für weitere 200.000 reservieren.

Anfang Juni 1975 bittet Siedler Carl Zuckmayer um ein zitierfähiges Urteil über die Spandauer Tagebücher, denn das Buch solle "keinen Beifall von der falschen Seite" erhalten. Zuckmayer kommt der Bitte prompt nach. In einer Rezension für Springers Welt vom 31. Juli lobt er das Buch als "groß", und zwar in "dreierlei Hinsicht: in der menschlichen Haltung des Verurteilten; in der Festigkeit und Standhaftigkeit seiner Selbstzucht; in der ungewöhnlichen sprachlichen Ausdruckskraft, deren Stil von Gedankenreichtum und Aufrichtigkeit geprägt ist".

Die Spandauer Tagebücher werden ein noch größerer Erfolg als die Erinnerungen. "Wenn das so weitergeht", schreibt Siedler im Januar 1976 an Speer, "können wir bei Ihrem dritten Buch dann gleich eine Erstauflage von einer Million drucken."

Ein drittes Buch gab es dann bei Propyläen zwar nicht mehr, dennoch riss der persönliche Kontakt nicht ab. So bat Siedler zu seinem 50. Geburtstag am 17. Januar 1976 das Ehepaar Speer nach Berlin: "Sie sollen wissen, daß Sie beide sehr herzlich willkommen sind." Und auch Fest lud Speer zu seinem 50. am 8. Dezember desselben Jahres ein: "Die Mehrzahl der Gäste wird Ihnen sicherlich bekannt sein, aber das werden Sie gewiß nicht als Nachteil empfinden – so wenig wie ich, der ich ja allmählich in jene Jahre komme, wo man eher alte Freundschaften pflegen als neue suchen sollte." Man traf sich auch danach noch gelegentlich und tauschte "in alter Verbundenheit" Grüße aus.

Albert Speer starb am 1. September 1981. In einem (nicht namentlich gezeichneten) Nachruf in der FAZ wurde er als eine "Ausnahmeerscheinung" unter Hitlers Gefolgsleuten gerühmt, ein Mann, der sich "die Zudringlichkeiten des Regimes vom Leibe zu halten versucht" habe: "Auch seine Erinnerungsbücher sind vom Bemühen um Selbstrechtfertigung weitgehend frei und versuchen statt dessen, die eigene Verantwortung sowie den eigenen Schuldanteil aufzuklären."

Doch schon bald bekam dieses Lügengebäude Risse. Den Anfang machte 1982 der junge Westberliner Historiker Matthias Schmidt mit seinem Buch Albert Speer. Das Ende eines Mythos. Darin bezeichnete er Speers Erinnerungswerk als das, was es ist: "die raffinierteste Apologie eines führenden Mannes des Dritten Reiches". In den folgenden Jahren kamen die Historiker der Beteiligung Speers an den Massenverbrechen und seiner Verantwortung im Holocaust immer gründlicher auf die Spur. Den vorläufigen Schlusspunkt setzte Heinrich Breloer 2005 mit seinem Fernsehfilm Speer und Er und dem ein Jahr später veröffentlichten Begleitband Die Akte Speer. Vom Bild des Edel-Nazis, der tätige Reue gezeigt habe, blieb nichts mehr übrig.

Joachim Fest ließ sich davon nicht beeindrucken. 1999 überraschte er mit einer Speer-Biografie, die in wesentlichen Punkten den Selbstinszenierungen des NS-Granden verhaftet blieb. Noch 2005, ein Jahr vor seinem Tod, veröffentlichte Fest die Notizen über die Gespräche, die er im Laufe der Jahre mit Speer geführt hatte (Die unbeantwortbaren Fragen) – ein letzter Versuch, sein geschöntes Speer-Bild gegen die von ihm verachteten Fachhistoriker zu verteidigen.

Die entscheidende Frage jeder Beschäftigung mit Speer, so schrieb Fest im Vorwort, laute nach wie vor, "wie ein Mann mit seinem sozialen und familiären Hintergrund [...] einer derartig bösartigen, sich ihrer Barbareien brüstenden Herrschaft so besinnungslos verfallen konnte". "Besinnungslos verfallen" aber war der kunstsinnige Bürgersohn der Nazi-Barbarei keineswegs. Er war kein Verführter, sondern ein Täter – einer der skrupellosesten unter Hitlers Paladinen.

Verführte waren aber auch Siedler und Fest nicht. Sie erlagen nicht Speers manipulatorischem Charme, sondern wussten, was sie taten: Der eine dachte an die Auflage, der andere an seinen publizistischen Erfolg. Wie groß die Nähe war, die dabei entstand, kann man in den Briefen nachlesen. Es ist eine Nähe, die allerdings auch etwas von dem tieferen Motiv verrät, das alle drei unausgesprochen miteinander verband: ein konservatives Bürgertum zu exkulpieren, das sich am großen Morden bereitwillig beteiligt hatte.