Einer Mitteilung der Friedrich-Ebert-Stiftung haben wir entnommen, dass ihre Feierlichkeiten zum 200.Geburtstag von Karl Marx, der am 5. Mai 1818, also vor 198 Jahren, in Trier geboren wurde, begonnen haben. Ein klarer Fall von "glorificatio praecox", von vorzeitigem Lobpreisungserguss. Das passiert schon mal, wenn man länger nicht mehr lobpreisen durfte.

Der Mehrwert dieser Entfremdung des ersten Marxisten von seinem Geburtstag durch die Stiftung der deutschen Sozialdemokratie liegt auf der Hand: Das Sein des Marxschen Geburtstages bestimmt das Bewusstsein der Genossen, wonach 198 gleich 200 ist. Von da ist es nicht mehr weit zu der Überzeugung, dass 21 Prozent in den Umfragen 30 Prozent am Wahltag bedeuten. Jeder nach seinen Fähigkeiten.

Zum Auftakt der 200-Jahr-Feier zum 198. Geburtstag bekam das Karl-Marx-Haus in Trier jedenfalls eine verschollen geglaubte Marx-Büste überreicht. "Die Kunst", so sah das Marx, "ist kein Spiegel, den man der Wirklichkeit vorhält, sondern ein Hammer, mit dem man sie gestaltet." Vielleicht sollten die Sozialdemokraten auch anfangen, Wirklichkeit aus dem Stein zu hämmern. "Merkel in Rente" wäre ein lohnendes Motiv.