Es gibt Menschen, die haben Angst, weil Deutschland heute anders aussieht, anders riecht und anders klingt als vor fünfzig Jahren. Sie sagen, dass bestimmte Dinge nicht zu Deutschland gehören. Zum Beispiel der Islam. Das ist die Religion, der die meisten Türken und Araber angehören, aber auch viele andere Menschen auf der Welt. Die Gläubigen nennen sich Muslime. Auch in Deutschland gibt es Muslime. Manche sind eingewandert, andere sind die Kinder und Enkel dieser Einwanderer, sind selbst aber hier geboren, sind also Deutsche. Und noch andere wurden erst später Muslime, weil sie den Islam besser fanden als ihre alte Religion. All das ist okay, denn in Deutschland herrscht Religionsfreiheit. Das bedeutet, dass man Christ sein darf, Jude, Muslim, Buddhist oder ganz etwas anderes. Man darf auch gar keine Religion haben. Wenn das alles so ist, fragt man sich: Warum also sollte der Islam nicht zu Deutschland gehören? Er ist doch da.

Nehmen wir mal an, ein Chinese würde Urlaub in Deutschland machen. Und nach seiner Rückkehr würde er gefragt: Was essen die Deutschen so? Dann würde der Urlaubs-Chinese sagen: Pizza, Döner, Bratwurst, Hamburger, Pommes. Das sind die Snacks, die offensichtlich zu Deutschland gehören. Aber die Pizza kam irgendwann aus Italien zu uns, der Döner aus der Türkei, der Hamburger aus den USA, die Pommes aus Belgien – nur die Bratwurst ist schon immer deutsch. So könnte man weitermachen: Kevin und Jennifer sind keine ursprünglich deutschen Namen, Jeans sind keine deutschen Hosen, Pop ist keine deutsche Musik. Wir trinken Kakao aus Afrika, und unsere Lieblingssportart Fußball haben die Engländer erfunden.

Trotzdem gehört das alles zu unserem Leben, auch wenn der einzelne Mensch nicht alles gut finden muss. Und in fünfzig Jahren werden wahrscheinlich andere Dinge zu Deutschland gehören.