"Du bist aber groß geworden!" Das ist vermutlich der blödeste von allen Sätzen, die sich Kinder ständig anhören müssen. Schließlich ist es das Normalste auf der Welt, dass man wächst, wenn man ein Kind ist. Was soll man da also antworten?

So merkwürdig es ist: Die Körpergröße spielt von Anbeginn des Lebens eine Riesenrolle. Nach der Geburt erzählen die Eltern allen Leuten sofort auf den Zentimeter genau, wie groß das neue Baby ist. Und das, obwohl alle Neugeborenen ungefähr gleich groß sind, nämlich in etwa einen halben Meter. Die Information ist also nicht sonderlich interessant. Und so geht es weiter: Wenn das Kind wächst, sind die Eltern stolz. Dabei ist Wachsen eines der wenigen Dinge, die ganz von alleine passieren. Man muss dafür nichts können und sich auch gar nicht anstrengen.

Es könnte einem folglich egal sein, wer wie groß ist – ist es aber nicht. Wahrscheinlich weißt Du ganz genau, wer das größte Kind in Deiner Klasse ist und wer das kleinste. Unterschiede in der Körpergröße fallen sofort auf. Sie bestimmen sogar manchmal, was andere über einen denken. Von groß gewachsenen Kindern wird oft erwartet, dass sie sich erwachsener benehmen. Malin zum Beispiel, 13 Jahre alt und 1,76 Meter groß, wird immer als Erste gefragt, wenn es in der Klasse irgendetwas zu organisieren gibt. "Weil ich so groß bin, trauen mir die Lehrer mehr zu", erzählt sie. Eigentlich findet Malin das ganz gut. Aber sie hat auch das Gefühl, dass es bei ihr schneller auffällt, wenn sie mal nicht so vernünftig ist. Das ist ungerecht!

Dann lieber klein sein? Das ist auch nicht immer schön. "Manchmal denken Erwachsene, dass ich erst in der ersten Klasse bin, und reden mit mir wie mit einem kleinen Kind", sagt Johanna, 9 Jahre alt und 1,20 Meter groß.

Am einfachsten wäre es, wenn alle Menschen gleich groß wären. Warum bestehen dann überhaupt solche Größenunterschiede?

Weil es für jeden Menschen einen eigenen "Bauplan" gibt. Er wird von den Genen bestimmt, die in unseren Körperzellen sitzen. Die Gene bekommen wir von unseren Eltern vererbt. Wer große Eltern hat, wird später wahrscheinlich auch groß. Sind die Eltern eher klein, wird man selbst wohl auch kein Lulatsch. Sind Mutter und Vater sehr unterschiedlich groß, kann man sich überraschen lassen.

Kinder wachsen nicht gleichmäßig, sondern in Phasen. Im ersten Lebensjahr machen sie den größten Satz, da legen sie ungefähr 25 Zentimeter zu, so viel schafft man nie mehr in so kurzer Zeit. Im Schulalter wird der Körper im Jahr durchschnittlich sechs Zentimeter länger, und in der Pubertät strecken sich die Knochen noch mal ordentlich: bei Mädchen bis zu neun, bei Jungen bis zu elf Zentimeter pro Jahr. Danach ist in der Regel Schluss – man ist ausgewachsen.

Leider ist das Thema Körpergröße damit nicht erledigt, auch für Erwachsene spielt es eine Rolle. Forscher haben zum Beispiel herausgefunden, dass große Männer ein bisschen mehr Geld verdienen als kleinere. Als ob sie besser arbeiten könnten! Andere Forscher haben festgestellt, dass Frauen lieber größere Männer heiraten und Männer kleinere Frauen. Als ob man sich dann weniger zankt! Männer behaupten gern, sie seien etwas größer, als sie in Wahrheit sind, während Frauen sich kleiner schummeln. Als ob man kleiner oder größer wird, nur weil eine andere Zahl im Personalausweis steht! Nein, logisch ist das alles nicht.