DIE ZEIT: Herr Calmund, kann man sich eigentlich darüber freuen, dass der HSV wieder nicht absteigt – bei dem grausigen Fußball, den der Verein seit Jahren zeigt?

Reiner Calmund: Der Hamburger Jubel nach der Rettung war ja nicht nur Freude, ich glaube, es war in erster Linie eine große Erleichterung nach den zwei Seuchenjahren. Es ist jetzt gut, dass der Verein früher für die nächste Saison planen kann. Die müssen richtig reinhauen, die Konkurrenten werden noch stärker.

ZEIT: Ihr Freund Klaus-Michael Kühne ist Mäzen des HSV. Leidet er sehr?

Calmund: Und wie! Wir kennen uns ganz gut, machen Kreuzfahrten zusammen, sehen uns auf Mallorca oder in Hamburg. Fußball ist da immer Thema. Er hat mir oft von seinem Vater erzählt, glühende Anhänger, die beiden! Und wenn die eigene Mannschaft so spielt wie der HSV in letzter Zeit, wer würde da nicht leiden?

ZEIT: Tut er Ihnen leid?

Calmund: Nicht so sehr wegen der Leistung seines Fußballvereins, viel mehr, weil sein Engagement in Hamburg so wenig gewürdigt wird. Der HSV hätte doch gar keine Lizenz mehr ohne ihn. Und dann behaupten einige Experten noch, er würde sich persönlich bereichern. Wer das sagt, hat sein Betriebswirtschaftsstudium wohl in der Eckkneipe gemacht, das ist doch unverschämt!

ZEIT: Herr Kühne will den HSV retten. Macht er das richtig?

Calmund: Ich erzähle Ihnen eine kurze Geschichte: Im Sommer 2014, während der Fußball-Weltmeisterschaft, waren wir zusammen in Norwegen auf Kreuzfahrt. Da sagte ich zu ihm: Herr Kühne, der Arena-Sponsor Imtech hat doch Probleme, warum kaufen Sie nicht die Namensrechte und benennen das Stadion "Kühne powert HSV-Arena"? Seine Antwort war kurz und knapp: "Ah, das ist eine gute Idee! Aber wissen Sie was, ich benenne das Stadion nicht nach mir, ich nenne es wieder Volksparkstadion, da wäre auch mein Vater mit einverstanden. Ich zahle die Namensrechte natürlich aus meiner privaten Kasse." Solch ein glühender Fan ist er.

ZEIT: Sie selbst sind ja auch ein bisschen dabei, den HSV zu retten. Vor einem Monat haben Sie ein Treffen in Hamburg organisiert. Mit am Tisch saßen Herr Kühne, der Spielerberater Volker Struth, HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer und HSV-Aufsichtsratsboss Karl Gernandt. Wie kam das?

Calmund: Ich muss ein bisschen ausholen: Vor Weihnachten waren Herr Kühne und ich mal wieder auf einer Kreuzfahrt, Indien, Asien, Dubai, da quatscht man ja viel. Herr Kühne sagte zu mir, er wolle jetzt noch mal richtig investieren, in die Mannschaft, ob ich ihn nicht beraten könne. Meine Antwort hat ihn direkt überzeugt: Ich kann Sie zwar beraten, mein Netzwerk ist top, aber ich bin zu lange aus dem Geschäft. Sie müssen den professionellsten und schnellsten Rat im Transfergeschäft bekommen. Mein guter Freund Volker Struth ist national und international einer des besten Spielerberater, der kennt alle Vereine in der Bundesliga und im Ausland, der hat die ganz Großen unter Vertrag, Toni Kroos, Mario Götze, Marco Reus. Die kann sich der HSV eh nicht leisten, der kann das machen. Herr Kühne fand das gut, also haben wir uns mit allen Beteiligten im Interesse des HSV zusammengesetzt.

ZEIT: Ist das nicht seltsam, dass Sie, der Ex-Manager von Bayer Leverkusen, dem Mäzen Kühne sagen, wer den HSV beraten soll?

Calmund: Herr Kühne wollte alles wissen: Wie groß sind Transferbudget und Gehaltsniveau für einen Verein, der im Mittelfeld der Bundesliga spielt? Wie ändert sich das, wenn man in die Spitzengruppe kommen will? Warum sollte ich ihm das nicht erzählen? Er hat sich dann auch mit Struth getroffen, die beiden haben gleich einen guten Draht zueinander gefunden. Der Struth ist schnell, darum geht es im Geschäft. Im Fußball fressen nicht die Großen die Kleinen. Es fressen die Schnellen die Langsamen. Ist doch eine super Sache, wenn Struth jetzt punktuell Kühne berät.