Können Studenten sich das Auslandssemester sparen? Auf diese Idee könnte kommen, wer sich eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) anschaut. Rund 1.000 Personalverantwortliche unterschiedlich großer Firmen aus allen Branchen wurden befragt, was sie sich von Absolventen wünschen. Die Ergebnisse liegen der ZEIT exklusiv vor.

Rund drei Viertel der Anforderungen an einen Bewerber machen demnach Fachwissen aus dem Studium und soziale Fähigkeiten wie Teamarbeit aus. Weniger wichtig sind: Fremdsprachen, länderspezifisches Wissen, interkulturelle Kompetenz.

Dass Firmen beim Bewerbungsprozess das Augenmerk nicht als Erstes auf die Auslandserfahrung richten, hat laut IW-Bildungsexpertin Christiane Konegen-Grenier einen einfachen Grund: "Wenn man einen Lebenslauf anguckt, schaut man auf die harten Fakten", sagt sie. An dem Wort "Auslandserfahrung" könne man wenig ablesen. "Darum geht es erst im persönlichen Gespräch", so Konegen-Grenier. Dann würden viele Bewerber die Bedeutung ihres Auslandsaufenthaltes allerdings herunterspielen, anstatt konkret zu sagen, was ihnen diese Zeit gebracht hat.

Insgesamt gilt aber: Internationale Kompetenzen werden wichtiger. Jede vierte Firma organisiert Arbeit in internationalen Teams, fast die Hälfte rechnet in den nächsten fünf Jahren mit einer steigenden Bedeutung von Fremdsprachen und Kontakten ins Ausland. Vom Auslandsaufenthalt erhoffen sich die befragten Chefs bessere Sprachkenntnisse – und dass die Bewerber offener und kommunikativer werden. Da bekommen die Flirts im Erasmus-Jahr plötzlich Bedeutung für die Karriere.