Auf 12.000 Euro ist dieses Trumm taxiert, das am 23. Mai um 17 Uhr bei Ketterer in Hamburg unter den Hammer kommt. Ein in Kalbsleder gebundenes, mit Messing beschlagenes Buch, ein Wiegendruck, ungefähr aus dem Jahre 1470. Gestochen scharf sind die Lettern, leuchtend rot die handgemalten Initialen. Eine herrliche Lektüre auch 546 Jahre nach Erscheinen, wenn man des Lateinischen denn mächtig ist: Summa collationum, sive communiloquium – Sentenzen für Prediger, versammelt um 1260 vom englischen Theologen Johannes Gallensis.

Seine Erkenntnisse konnten bis zu ihrem Druck noch 210 Jahre reifen, ein frühes Beispiel der heute so ersehnten Entschleunigung. Zudem ist an einer Stelle mittendrin und erstmals in einem Buch plötzlich vom Schach die Rede. Das Ensemble aus König und Königin, Offizieren und Bauern galt damals als Abbild der feudalen Gesellschaft. "Nach vollendetem Spiel wartet aber auf sie alle ungeachtet ihrer verschiedenen Stellung derselbe Ort, und wie der König dabei wohl zuunterst im Beutel zu liegen kommen könnte, so könnten auch die Großen der Erde zur Hölle, die Armen aber in den Himmel gelangen."

Gilt dies nicht heute noch? Wer anderen übel mitspielt, sollte bedenken: Im Beutel sehen wir uns wieder. Bis gleich!