Man kann es sich in diesen Zeiten eigentlich nicht leisten, keine richtige Haltung zu haben. Diese zu entwickeln ist jedoch recht schwierig, vor allem für Angestellte mit überwiegend sitzender Tätigkeit und zu wenig Bewegung. Manche schaffen sich einen Hund an.

Die Haltung eines Hundes löst das Problem der Haltungsschäden aber nicht. Zwar führt Gassigehen zu Bewegung, allerdings muss ein Hund auch gebadet werden, sonst stinkt er. Und einen Hund zu baden, einen großen und widerwilligen womöglich, ist aus orthopädischer Sicht ähnlich gefährlich wie ein Schreibtischjob.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 22 vom 19.5.2016.

Man weiß das aus einer Werbeanzeige, die Leser Helmuth H. auffiel und die einen frisch gebadeten Hund zeigt, dessen Herrchen überraschenderweise keine Rückenschmerzen hat. "Voltaren Schmerzgel lindert Schmerzen bis zu viermal schneller*", steht dort. Das Sternchen verweist auch hier ins Kleingedruckte der Anzeige, wo normalerweise steht, dass die gekennzeichnete Aussage nicht so gemeint ist, wie man sie als normaler Mensch versteht. Voltaren überrascht die Sternchengucker mit einer philosophischen Botschaft, über die man lange nachgrübeln kann. Das Schmerzgel wirke nämlich "bis zu viermal schneller*", heißt es oben, und unten geht’s weiter: "*im Vergleich zu Gelen ohne Wirkstoff".

Ein Wirkstoff wirkt also viermal schneller als kein Wirkstoff, das aber auch nur im besten Fall. Schöner wurde die Kraft des Placeboeffekts wohl noch nie umschrieben. Wenn nämlich etwas garantiert wirkt (und das tut das Vergleichsgel ja offenbar, nur eben langsamer), obwohl es keinen Wirkstoff enthält, kann der Wirkstoff für die Wirkung keine große Rolle spielen. Die Ursache der Linderung muss also woanders liegen, beispielsweise im Glauben daran. Man kennt das von der Homöopathie, die ja letztlich auch eine Frage der Haltung ist.