Sie habe lange gezögert, so Simone de Beauvoir, dieses Buch zu schreiben. "Das Thema ist ärgerlich, besonders für die Frauen; außerdem ist es nicht neu", heißt es im Vorwort ihres 1949 in Frankreich erschienenen Werkes Le Deuxième Sexe (deutsch 1951: Das andere Geschlecht).

Heute, dreißig Jahre nach de Beauvoirs Tod, ist ihr Thema tatsächlich nicht neu. Die Ehe muss nicht mehr als Unterdrückungsapparat entlarvt, ein Bewusstsein weiblicher Autonomie nicht erst geweckt und die Tatsache, dass Frauen wie Männer arbeiten gehen, nicht mehr verteidigt werden. Und doch ist der Weckruf aus de Beauvoirs Werk für viele Feministinnen aktuell geblieben und wurde in zahlreichen Debatten um die kulturelle Konstruktion von Geschlechtern (Judith Butler und Co.) immer wieder aktualisiert: Man ist nicht als Frau geboren, man wird es.