Lothar Schmid (1928 bis 2013) war Karl-May-Verleger, Schachgroßmeister und Schiedsrichter bedeutender WM-Kämpfe. Er war aber auch ein glühender Sammler von Schachbüchern und besaß die wertvollste Privatsammlung der Welt. Wolfgang Unzicker fragte mich deshalb einmal: "Helmut, verstehst du den Lothar mit seiner Sammelleidenschaft?"

Im Februarheft der Zeitschrift Schach berichtet der Schachhistoriker Michael Negele von seinem Besuch der Sammlung in Bamberg, die ihn mit ihren einzigartigen Schätzen auch mittelalterlicher Werke zutiefst beeindruckte. Selbst Kollektor, zitiert er Goethe, der in diesem einen glücklichen Menschen erkennt, aber durchaus selbstironisch auch das Narrenschiff, das von einem Büchernarren angeführt wird: "Im Narrentanz voran ich gehe, da ich viel Bücher um mich sehe, die ich nicht lese und verstehe."

Lothar freilich verstand sehr viel davon, wie Negele anhand vieler Bleistiftnotizen in den Büchern feststellen konnte. Sein Fazit: "Lothar Schmid sammelte Schach im Goetheschen Sinne!" Was nicht heißt, dass er in seinen letzten Jahren diesem "alles verzehrenden Sammeldrang" (so der Psychoanalytiker Werner Muensterberger) immer "Einhalt gebieten konnte". Eine seiner vielen Preziosen sind die Curious Chess Problems von John Henry Huttmann (London 1840), bei deren Kauf man zugleich zwei feine Havanna-Zigarren umsonst bekam, die oft dann in diese Probleme eingewickelt wurden. Apropos, wie gewinnt Weiß am Zug?

Lösung aus Nr. 22:

Wie blieb Weiß entgegen erstem Augenschein siegreich?

Schwarz hatte nur an 1.Sf2 Dxc1+ und 1.Kh2 Dxd3 gedacht. Aber nach 1.Df2! Dxd3 2.Tc7! mit der Doppeldrohung gegen f7 und b7 war es schnell aus: 2...f5 3.Txb7 mit Gewinn