Donald Trump wird klar verlieren. Dieser Rassist, Frauenfeind und Krypto-Faschist, dieser amerikanische Mussolini kann es nicht schaffen. So einfach ist die Sache nicht.

Zuerst die guten Nachrichten aus dem Electoral College, das den Präsidenten wählt. Das Gremium besteht aus 538 "Kurfürsten"; jeder Staat hat so viele Stimmen wie Abgeordnete und Senatoren. 270 Stimmen reichen für den Sieg. Zwar dominieren die Republikaner die meisten Bundesstaaten (im Süden und im Westen). Aber die Demokraten beherrschen die bevölkerungsreichsten wie New York und Kalifornien, die entsprechend mehr Delegierte in die Bundesversammlung entsenden.

Hillary Clinton hält also einen strukturellen Vorteil; demnach hätte Trump keine Chance. Sicher sind ihr die Staaten an den beiden Küsten und in der industriellen Mitte, wo die klassische Klientel der Demokraten wohnt: Schwarze, Hispanics, Gewerkschafter; dazu Hollywood, Hochfinanz und Hochschulen. Diese Gruppen hat jeder Demokrat seit 1992 eingefangen. So hätte Clinton schon mal 242 Wahlleute im Korb. Schafft sie nun auch den Hin-und-Her-Staat Florida (leichter Vorsprung in den Umfragen), hätte sie 271 Stimmen. Das Spiel ist gelaufen. Clinton II im Weißen Haus.

Nur: So eindeutig, wie es die Theorie vom "Demokratischen Würgegriff" über das Wahlgremium besagt, ist die Sache nicht. Clinton lag noch Anfang Mai mit 13 Punkten vor Trump; jetzt sind es nur noch drei – statistisch ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine frische Umfrage hat sogar ein Drei-Punkte-Plus für Trump ausgemacht.

Clintons Handicap, das die Kommentatoren abermals als Clowns entlarven könnte, sind die "Negatives", wie es die Wahlforschung nennt – Widerwillen und Abscheu, die einem Kandidaten entgegenbranden. Hier hat Trump den "strukturellen Vorteil". Was er auch an Gemeinheit und Demagogie in die Luft bläst, es hat ihm sogar geholfen. Blöd- und Widersinn haben ihm immer mehr Punkte in den Umfragen verschafft und seine Rivalen weggkatapultiert.

Clintons "Negatives" übertreffen selbst die beispiellosen Werte Trumps mit 61 zu 56 Prozent. Eine neue Umfrage bescheinigt ihr einen höheren Grad an Korruptheit als dem windigen Donald – 49 zu 37 Prozent. Noch nie sind zwei Kandidaten unter der Last von so viel Antipathie angetreten. Und trotzdem steht der US-Mussolini besser da als die Frau des Establishments. Sollte der FBI im Sommer Anklage wegen Geheimnisverrats (Clintons E-Mails von ihrem Privat-Account) empfehlen und das Justizministerium sie erheben, wird’s hanebüchen. Selbst wenn der Konvent Clinton fallen lässt und einen makellosen Kandidaten kürt, wäre es für die Zulassung in den meisten Staaten zu spät. Das Repräsentantenhaus müsste dann den Präsidenten wählen. Dort haben die Republikaner eine klare Mehrheit.

Kein Hollywood-Politthriller könnte so viele bizarre Winkelzüge aufbieten wie dieser Wahlkampf. Oder unterhaltsamer sein. Böse witzelt ein Grande der Republikaner: "Clinton contra Trump ist die Wahl zwischen Malaria und Ebola." So mancher Parteifreund werde sich im November für Malaria entscheiden. Doch dieser Autor macht keine Voraussagen mehr, haben doch die schlausten Auguren im Wiederholungsfall gepatzt. Zumal Trump schneller auf die Marktlage reagiert als jeder PR-Akrobat: "Ich bin bei sehr, sehr vielen Fragen total flexibel."