Jahrzehntelang galt Monsanto als der gefürchtetste Agrarkonzern der Welt. Ein Gigant aus St. Louis im Bundesstaat Missouri, dem Gegner unterstellen, mit allen Mitteln Saatgutmonopolist werden zu wollen. Ungeachtet des Widerstands von Umweltschützern und Verbrauchern, drücke er seine gentechnisch veränderten Nutzpflanzen auf den Markt, das ist der Vorwurf. Wer im Internet nach "Monsanto" sucht, findet sehr, sehr viel über die vermeintliche Allmacht und Reichweite des Unternehmens.

Noch vor Kurzem spielte Monsanto mit dem Gedanken, den Schweizer Pestizidhersteller Syngenta zu übernehmen – daraus wurde aber nichts. Stattdessen ist Monsanto jetzt selbst zum Übernahmeobjekt geworden. Ausgerechnet der deutsche Bayer-Konzern hat ein Angebot abgegeben, bislang ist es allerdings abgelehnt worden.

Wie konnte der Jäger Monsanto zum Gejagten werden? Lange Zeit haben die Proteste das Unternehmen kaltgelassen, an den schlechten Ruf hat es sich gewöhnt. Monsanto habe über eine Namensänderung zwar nachgedacht, gab ein hochrangiger Manager mal zu, doch man sei zu dem Schluss gekommen, dass so eine Änderung mit hohen Kosten verbunden sei – und womöglich die eigentliche Kundschaft verwirre. Die Kundschaft, das sind in erster Linie die Farmer.

Die Anliegen der Endverbraucher hat Monsanto lange ausgeblendet. Das mag auch an der Entstehungsgeschichte des Unternehmens liegen. Ursprünglich war Monsanto ein Chemiekonzern und Hersteller toxischer Produkte wie Dioxin und PCB. Monsantos Selbstverständnis als industrieller Zulieferbetrieb passt hervorragend zur Landwirtschaft der USA: große Flächen und Farmer, die groß denken. Im Gegensatz zu den Plantagen im Süden, auf denen Sklaven Baumwolle pflückten, mussten die Pioniere im Westen der USA mit viel weniger menschlicher Arbeitskraft auskommen. Später machten sie diesen Nachteil durch Kapital und Maschinen wieder wett – Monsanto verprach das passende Saatgut dazu.

Das Unternehmen konzentriert sich bis heute auf die sogenannten cash crops, die für die großen Farmer des Landes den größten Ertrag einfahren: Mais und Sojabohnen. Beide Agrarprodukte sind wiederum wie geschaffen für die Ansprüche der Lebensmittelindustrie und Voraussetzung für die moderne Fleischwirtschaft und deren Massentierhaltung. Bei Mais hat zudem die seit 2005 vorgeschriebene Beimischung von Biosprit zum Benzin die Nachfrage zusätzlich gesteigert. "Wer auf seinem Land Mais anbauen kann, tut es", sagen Farmer in Iowa. Der Bundesstaat lebt weitgehend vom Maisanbau.

Die gentechnisch veränderten Sorten, deren kommerzielle Nutzung Monsanto Mitte der 1990er Jahre als Pionier vorantrieb, waren bei den Mais- und Sojabauern schnell erfolgreich. In den ersten Jahren wuchs die Anbaufläche der Gensaaten zum Teil zweistellig. Heute sind mehr als 90 Prozent der in den USA angebauten Mais- und Sojasorten gentechnisch verändert. Investoren waren von der Symbiose zwischen Saatgutanbieter und Farmer ebenfalls begeistert. 2009 kürte das Wirtschaftsmagazin Forbes Monsanto zum Unternehmen des Jahres. Monsanto habe mit seinen Gensaaten Milliarden Dollar an Wert für die Welt geschöpft, begründeten die Redakteure ihre Entscheidung.