Die Bayerische Akademie der Schönen Künste ist eine ehrwürdige Institution. Seit 1972 residiert sie im Königsbau der Münchner Residenz hoch über dem Max-Joseph-Platz – München, wo es am freistaatlichsten leuchtet. Entsprechend soll die Akademie laut Satzung "oberste Pflegestelle der Kunst" sein und "zur geistigen Auseinandersetzung zwischen Kunst und Gesellschaft" beitragen. Dieser Aufgabe widmen sich aktuell 282 Mitglieder, darunter 39 Frauen. Akademiepräsident ist seit 2013 der Schriftsteller, Übersetzer und Ex-Hanser-Verleger Michael Krüger.

Unter den verschnarchten Akademien der Republik gehört die Bayerische eher zu den verschnarchteren. Gleichwohl zählt es zur Pflicht eines Präsidenten, wo es nottut, für seine Mitglieder einzutreten. Dieser Pflicht ist Michael Krüger nun in beispielloser Form nachgekommen. Es geht um den Pianisten, Musikwissenschaftler, Ex-Rektor der Münchner Musikhochschule, amtierenden Rektor des Salzburger Mozarteums und Leiter der Abteilung Musik in der Bayerischen Akademie, Siegfried "Sigi" Mauser. Mauser, 61, gebürtiger Niederbayer, barockes Wesen, ist das, was man im Süddeutschen einen Gschaftlhuber nennt: einer, der seine Finger überall im Spiel hat und bei dem man sich hinter vorgehaltener Hand schon immer gefragt hat, wann er eigentlich noch übt. Am 13. Mai wurde Mauser vom Amtsgericht München zu 15 Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 25.000 Euro verurteilt. Der Richter sah es als erwiesen an, dass er in einem von zwei gegen ihn vorgebrachten Fällen der sexuellen Nötigung schuldig sei. Tatort war die Münchner Musikhochschule, Mausers Anwälte haben Berufung eingelegt.

In einem Prozess wie diesem steht zunächst Aussage gegen Aussage, am Ende geht es um Glaubwürdigkeit. Das Münchner Gericht hörte dazu 16 Zeugen an. Was um alles in der Welt, fragt man sich, hat Michael Krüger in seiner Funktion als Akademiepräsident nun bewogen, einen Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung zu schreiben, in dem er den Prozess ein "Komplott", ja "eine Blamage für die Justiz" nennt? Im Berufungsverfahren, so Krüger, gebe es ein einziges mögliches Urteil: Freispruch. Ist unsere Rechtsprechung so wenig wert? Reicht es, Mann unter Männern zu sein und langjähriger Freund und sich, wie Sigi Mauser, um die Musikstadt München verdient gemacht zu haben – und prompt kann nicht sein, was nicht sein darf?

Mit seiner Attacke steht Michael Krüger nicht allein. Auch der Germanist Dieter Borchmeyer, Krügers Vorgänger im Amt, hat einen Leserbrief verfasst und sorgt sich darin geradezu rührend um Mausers "Pensionsansprüche als Beamter"; auch Hans Magnus Enzensberger rühmt Mausers "berufliche und private Reputation" als "tadellos", verheddert sich dann allerdings etwas in der Stoßrichtung des sexuellen Begehrens, wenn er die Anklägerinnen mit den Worten bedenkt: "Damen, deren Avancen zurückgewiesen werden, gleichen tückischen Tellerminen."

Manchmal wünscht man sich mehr als eine tückische Tellermine, um die Spezlwirtschaft der bayerischen Intellektuellen in die Luft zu jagen.