Wozu die exklusiven Schnappschüsse? Die Autoren wollen die Basis für einen faktenbasierten Naturschutz legen. "Wenn wir die Raubtiere der Insel schützen wollen, müssen wir die wichtigsten Gebiete kennen, also jene, in denen die Artendichte am höchsten ist", sagt die Schweizerin Christina Breitenmoser, die die Sonderausgabe von Raffles Bulletin of Zoology mit herausgegeben hat. Zwölf Regionen nennt die Publikation, nur rund 35 Prozent dieser Flächen sind bislang geschützt. "Wir können jetzt priorisieren. Nicht alle Arten sind gleich stark bedroht. Um die Bestände von Fleckenmusang, Bengalkatze und Malaiischer Zibetkatze müssen wir uns im Moment keine Sorgen machen", sagt Wilting.

Die Autoren verlangen Korridore, um die verschiedenen Lebensräume miteinander zu verbinden. Sie fordern, dass geltendes Recht auch durchgesetzt wird, und plädieren angesichts von Bergbau-, Palmöl- und Holzfirmen für Zusammenarbeit. Tatsächlich sind diese drei Industrien der Hauptgrund für den rapiden Wandel im einstigen Waldmeer Borneo. Kein Land der Erde rodet seinen Regenwald so rücksichtslos wie Indonesien. Der Großteil des weltweit gefragten Palmöls kommt von hier. Im Moment verliert die Insel in einem Jahr rund eine Million Hektar Wald, mehr als zwölfmal das Stadtgebiet Hamburgs, wie Umweltschützer von Global Forest Watch protokolliert haben. Im Schlepptau der Holzfäller, die Straßen anlegen und Camps errichten, kommen die Wilderer. Sonnenbären werden wegen ihrer Gallenblase (fernöstliche Medizin!) gejagt, Nebelparder wegen ihres Fells (Mode!). Dass die Polizei Jäger oder Händler verhaftet, dass die Justiz sie verurteilt, kommt selten vor.

Wai-Ming Wong, der für die Artenschutzorganisation Panthera in New York arbeitet und viel Felderfahrung in Südostasien hat, lobt die Arbeit der Fotofallensteller: "Ihre Schlussfolgerungen sind absolut richtig, und man kann sie für Raubtiere auf der ganzen Welt anwenden", sagt der Biologe. "Die Ressourcen, die für den Naturschutz bereitstehen, sind extrem beschränkt. Daher ist es entscheidend, dass wir die prioritären Lebensräume identifizieren, um sie mit den richtigen Methoden zu schützen."

Ein streng geschützter Nationalpark ist dafür nicht zwangsläufig nötig. Das wäre ohnehin meist unrealistisch. Die Zukunft von Borneos Wäldern hängt davon ab, ob zwischen Nutzen und Bewahren eine Balance gefunden wird. Der malaiische Forscher John Mathai nennt das Beispiel Holzfällen: "Wenn sie es konventionell machen, rücken sie mit Bulldozern an und machen alles platt. Das ist eine Katastrophe. Viele Bergbaufirmen arbeiten sehr sorglos mit Chemikalien. Das vergiftet die Umwelt. Und für Palmölplantagen fällen sie alles und pflanzen Bäume einer einzigen Art. Auch schlecht. Aber es gibt für jeden Bereich viel bessere, viel nachhaltigere Methoden. Die müssen angewendet werden." Würden einzelne Bäume in einem Wald umsichtig gefällt, könne dieser auch in Jahrhunderten noch genutzt werden. Gleichzeitig könnte er ein heimeliges Dunkel bieten, das Otterzivetten, Stinkdachse, Flachkopfkatzen und all die heimlichen Räuber dem Licht vorziehen.

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