Nun, by the way, es wurde allmählich Zeit. Immerhin ist Hamburg die anglophilste Stadt Europas, ausgenommen natürlich die Städte auf der Insel selbst. Schon 1350 gründete sich bei uns die Englandfahrer-Bruderschaft, und an der Londoner Börse gab es früher eigens reservierte Plätze für ehrbare Hamburger Kaufleute. Wir verdanken den Briten die Kanalisation, das Clubwesen und die Sitte, sich nach dem Sport fair die Hände zu schütteln. Vielleicht ist all das sogar der Ursprung unserer saucoolen Hamburger Lässigkeit.

Ist es da ein Wunder, dass sich die Begeisterung für die britische Lebensart endlich auch im Alltag Bahn bricht? Dass ein Mechaniker der Deutschen Bahn, der daheim in Harburg mit seinen Lieben seit Jahren nur noch in kultiviertem Englisch kommuniziert, beschloss, bei den S-Bahn-Rolltreppen im Bahnhof Dammtor den Linksverkehr einzuführen? Nun muss man also nicht mehr die jeweils rechte Treppe nehmen, um nach oben oder nach unten zu gelangen. Sondern die linke. Das geht seit drei Jahren so, im Treppenbereich wird zunehmend Englisch gesprochen (und sei es nur "Fuck!"), und bald möchte der anglophile Techniker Linksverkehr auch auf unseren Straßen einführen – viele Radfahrer drücken ihre Empathie für Britannien ja jetzt schon eigenständig so aus.

Eine tolle Geschichte also. Nur die Bahn sagt, sie stimme nicht. In Wahrheit, so Sprecher Egbert Meyer-Lovis, sei die Ursache für den "englischen Linksverkehr" ein kaputter Drehzahlmesser der (von unten gesehen) linken Rolltreppe. Für die gab es aber "aufgrund ihres Alters" – Baujahr 2000! – keine Originalteile mehr. Also verbaute die Bahn den Drehzahlmesser eines anderen Rolltreppentyps. "Das Problem ist, die Fahrtreppe lässt sich mit dem neuen Bauteil nur in eine Richtung bewegen: nach oben!", so Meyer-Lovis. Und weil die Rolltreppen erst 2017 erneuert werden, passte man dann die Fahrtrichtung der anderen Treppe einfach entsprechend an.

Klingt nach einer kreativen Zwischenlösung.

Aber wir glauben das nicht. Wir glauben lieber an den anglophilen Mechaniker.