Wie hat Trump es geschafft? Seine Rivalen haben klassische Parolen verbreitet: Das glaube, das gelobe ich. "The Donald" aber verkörpert das brandneue Geschäftsmodell des 21. Jahrhunderts: Politik zwischen Sitcom und Reality-TV. Der Schein erschlägt das dröge Sein, der Werbegag die Fakten. Trump prahlt, die anderen spulen ihre Stichworte ab. Trump beleidigt, das Publikum johlt. Dann sprudelt die Provokation viral durch den digitalen Zirkus, die Umfragewerte steigen.

"Meine Frau", grinst Trump, "ermahnt mich, endlich die Präsidialhaltung einzunehmen, aber ich habe noch keine Lust dazu. Wenn das passiert, werdet ihr euch so langweilen. Dann werden nicht 10.000 kommen, sondern nur 150, aber die werden nicken: Oh boy, sieht der präsidial aus."

Nun reden sich selbst angewiderte Parteifreunde den Mann schön. Alles nur Pop und Performance (früher Brot und Spiele). Als Präsident werde Trump sich um das Staatswohl kümmern und die dicken Bretter bohren. Das behauptet selbst der Kandidat: "Hört mal, alles, was ich jetzt sage – ich bin doch nicht der Präsident. Nur so Ideen." Er werde "bei sehr, sehr vielen Sachfragen total flexibel sein".

Das muss Amerika, das muss der Rest der Welt hoffen. Nur redet Trump heute so, wie er es seit zwanzig Jahren tut. 1987 ließ er erstmals seinen Machtanspruch aufblitzen: "Ich habe die Schnauze voll davon, was unserem Land angetan wird." 1988: Amerika "verliert Hunderte von Milliarden Dollar, und daran sind unsere Verbündeten schuld". Das Land brauche eine "Total-Operation", und er sei der Chirurg. 2007: Das Ausland habe "den Respekt vor uns verloren". 2011: Es sei "lächerlich", wie die "Chinesen uns übervorteilen". 2012: "Wann immer die Zentralbank die Zinsen senkt, erhöht das Ölkartell den Preis. Niemand wettert: Runter mit dem Ölpreis." 2015: "Glaubt nicht, dass die Arbeitslosigkeit bei 5,6 Prozent liegt. Die beträgt 18,2 Prozent. Es gibt keine Jobs, weil die nun in China und Mexiko sind." Sodann: "Unsere Feinde werden täglich stärker, wir schwächer." Schließlich: "Unser Land braucht einen starken Führer, der die Jobs zurückholt, die Armee wieder aufbaut."

Das ist die Sprache der Verführer von gestern, der Autoritären und Totalitären. Die Struktur ist die gleiche: Wir sind die Opfer des übel gesinnten Auslands, unsere Politiker quasseln, während wir untergehen. Die werden Amerika nie wieder "great again" machen. Allein die starke Hand kann uns retten, und die bin ich – euer Erlöser.

Amerika, das stärkste und reichste Land auf Erden, als Schlachtopfer ist ein Witz. Aber der Witz funktioniert, stimmen doch Hillary Clinton und ganz weit links Bernie Sanders das gleiche protektionistische Lied an. Dies ist kein offensiver Nationalismus wie bei Mussolini und Hitler, sondern ein defensiver. Wir schotten uns ab und rollen uns ein. Was aber, wenn Trump das TV mit der Reality verwechselt?

Anders als die Weimarer hat die amerikanische Verfassung seit 1787 allen Verführern widerstanden – mit ihrer hermetischen Gewaltenteilung zwischen dem Weißen Haus, einem mächtigen Kongress und einer unabhängigen Judikatur. Falls dieser brillante Performance-Künstler gewinnt, wird er sofort nach der Amtseinführung den galaktischen Unterschied zwischen Regieren und Reality-TV kapieren müssen. Die Verfassung hält seit 229 Jahren.