Es ist mal wieder eine bunte Runde, die der Autor und Theaterregisseur Ulrich Hub in seinem aktuellen Buch aufeinandertreffen lässt. Da treten auf: Lucky, ein intelligenter schwarzer Panther, Pascha, ein liebenswürdiger weißer Tiger mit schwarzen Streifen. Dazu ihrer beider Dompteur, der unter schrecklichem Lampenfieber leidet, ein boxendes Känguru und eine Prinzessin in den besten Jahren, die leidenschaftlich gern Moped fährt. Sie alle werden in dieser rasant erzählten Geschichte mit der Macht von Vorurteilen konfrontiert und erfahren, wie viel schöner es sich ohne diese leben lässt.

Pascha, Lucky und ihr Trainer sind zu einem berühmten Zirkustreffen eingeladen, doch kaum am Ort des Geschehens angekommen, beschimpft eine Gruppe alberner Seehunde den Dompteur als schwul, weil er vor dem Auftritt etwas hysterisch ist und sich ständig parfümiert. Für die beiden Raubkatzen bricht eine Welt zusammen, vor allem der schlaue Panther Lucky will jetzt auf keinen Fall mehr mit dem Trainer zusammenarbeiten. Um sich von ihrem Schock zu erholen, wollen sich Pascha und Lucky erst mal stärken, doch seltsamerweise will kein Kellner sie bedienen. Erst im düsteren Keller von Django, dem Preisboxer-Känguru, gibt es für die beiden eine Pizza.

Es kommt, wie es kommen muss: Am Ende ist nicht der Dompteur schwul, sondern das Känguru, der neue beste Freund der Raubkatzen. Man erkennt es bei ihm aber nicht an Parfum oder Hysterie, ganz im Gegenteil: Das Känguru stinkt nach Schweiß und lässt die Muskeln spielen. Der Dompteur dagegen ist übrigens ein ziemlich engstirniger Knilch, der das Parfum nur benutzt, weil Lucky und Pascha selbst ziemlich streng riechen.

Bevor sich das alles offenbart, verstrickt Ulrich Hub seine Protagonisten-Bande mit einer derart genauen Beobachtungsgabe in ein großes Knäuel aus Missverständnissen, dass jedem Leser mindestens ein Mensch einfällt, der einem der Tiere ähnelt. Jörg Mühle illustriert das ganze Tohuwabohu mit beiläufigem Witz, der den Wiedererkennungseffekt noch verstärkt.

Dass Lucky und Pascha am Schluss wieder aus dem großen Wirrwarr falscher Vorstellungen herausfinden und vor den Augen der ungewöhnlichen Prinzessin sogar noch einen Knaller-Auftritt hinlegen, sei hier verraten. Wie das geschieht, natürlich nicht. Nur so viel: Es wird dann nichts mehr so sein wie zuvor.

Ulrich Hub: Ein Känguru wie du. Ab 8 Jahren; Mit Bildern von Jörg Mühle; Carlsen 2015; 96 S., 12,99 €