Ob die anderen Länder sauer auf Hamburg seien? "Stinksauer", sagt ein Staatssekretär. 30 Sitzungen lang habe man zusammengesessen, mühsam einen Kompromiss ausgehandelt, mit dem alle zufrieden schienen, der Bund, 16 Bundesländer. Und dann, im allerletzten Moment, habe Hamburg alles über den Haufen geschmissen. Eine Ministerin sagt: "Wäre denen ihre Position früher eingefallen, hätten wir uns manche Nacht gespart. Das geht jetzt allen auf die Nerven."

Hamburg hat die Wut der versammelten deutschen Wissenschaftspolitik auf sich gezogen, genauer gesagt: Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und ihre Staatsrätin Eva Gümbel (beide Grüne) haben ihre Kollegen in der auf Konsens bedachten Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern düpiert. Ein Dreivierteljahr lang haben die Ministerien darüber verhandelt, wie in Deutschland künftig Spitzen-Unis gefördert werden sollen. In zwei Wochen sollte die neue Exzellenzinitiative beschlossen werden. Nun wurde bekannt: Hamburg möchte die Regeln im letzten Moment noch einmal ändern.

Die Weiterführung der Exzellenzinitiative ist die wohl wichtigste wissenschaftspolitische Entscheidung der nächsten Jahre. Mit einer halben Milliarde Euro im Jahr wollen Bund und Länder künftig bis zu 50 Forschungsprojekte als sogenannte Exzellenzcluster fördern, außerdem sollen acht bis elf Hochschulen zu Exzellenzuniversitäten werden. Für das Riesenprojekt ist eine einstimmige Entscheidung der Ministerpräsidenten nötig. Wenn Hamburg nicht zustimmt, müssen die Verhandlungen von vorn beginnen.

Fegebank will mit ihrem Änderungsvorschlag den Auf- und Abstieg in die Spitzenliga der Hochschulen erleichtern. Bisher sieht die Einigung von Bund und Ländern vor, dass die Exzellenzcluster alle sieben Jahre neu vergeben werden. Aus dem Club der Exzellenz-Unis kann eine Hochschule nur absteigen, wenn sie es bei dieser Vergabe nicht schafft, mindestens zwei Cluster zu gewinnen. Der Bund argumentiert, damit sei ein Abstieg wahrscheinlicher als in den bisherigen Runden der Exzellenzinitiative – und selbst da hat es Abstiege geben.

Die Hamburger Wissenschaftsbehörde schreibt dagegen in ihrem Vorschlag, mit der bisher vorgesehen Regelung seien die "Chancen für Newcomer" eingeschränkt, man wolle mit den Änderungen die "Dynamik der neuen Exzellenzinitiative" erhöhen. Hamburg schlägt daher vor, alle sieben Jahren wieder einen offenen Wettkampf um die Titel der Exzellenzuniversität auszutragen. Das widerspricht allerdings der Idee des Bundes, die Spitzen-Unis möglichst dauerhaft zu fördern und das Verfahren zu vereinfachen, das von den Universitäten als sehr aufwendig empfunden wurde.

Manche reden von "dilettantischer Verhandlungsführung"

Es ist wahrscheinlich, dass Hamburg – auch wenn die Behörde das bestreitet – mit seinem Vorschlag die eigene Universität im Blick hat. Das zeigen auch die Reaktionen von außen: Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ließ verkünden, Hamburg habe "wenig Vertrauen in die eigene Universität". Eine kleine Gemeinheit, die andere Wissenschaftspolitiker hinter vorgehaltener Hand noch schärfer formulieren: Der Hamburger Vorschlag sei ein "Offenbarungseid für die Hamburger Uni". Offenbar traue die Stadt ihr nicht zu, in die Spitzenliga zu kommen – und wolle deswegen die Regeln ändern.

Bei der letzten Runde der Exzellenzinitiative war Hamburg mit zwei Clustern erfolgreich, dieses Mal will die Universität mit fünf Bewerbungen antreten. Dass Hamburg es neben Erfolgen bei einzelnen Projekten auch in den Club der Top-Unis schafft, halten die meisten Fachleute für unwahrscheinlich. Langfristig träumen Fegebank und Uni-Präsident Dieter Lenzen dennoch vom Exzellenzsiegel, zumal die Grünen angesichts der in Wissenschaftsfragen traditionell knauserigen SPD sehr auf Millionen aus dem Bund hoffen.

Aus Hamburger Sicht ist die Forderung nach einer Änderung der Regelung durchaus folgerichtig. Inhaltlich findet die Idee sogar Zustimmung bei Vertretern von anderen Bundesländern, die wenig Hoffnung haben, eine Universität in die Top-Liga zu hieven. Doch auch sie wundern sich, dass Hamburg seine Bedenken erst vor wenigen Wochen geäußert hat, nachdem alle glaubten, die Verhandlungen seien abgeschlossen.

"Hamburg hat zu keinem Zeitpunkt gesagt: Das geht so nicht", sagt einer, der bei den Sitzungen dabei war. "Sonst wären doch die gesamten Verhandlungen anders verlaufen." Die Hamburger Wissenschaftsbehörde erklärt, man habe immer wieder darauf hingewiesen, dass man mit der Regelung unglücklich sei. Politiker mehrerer Bundesländer widersprechen. Manche reden von "dilettantischer Verhandlungsführung".