Es kommt selten vor, dass diese Kolumne ein Lob austeilt, doch heute muss es sein: Wie gemütlich die Goethe-Stadt Frankfurt doch geworden ist! Wir nennen sie die Perle am Main, denn dort ist man Mensch, dort darf man’s sein. "Unne, unne, obbe, obbe, unne, obbe, Schobbe klobbe." Völlig zu Recht besingt der Frankfurter seine Heimat mit den schönen Worten: "Es will mer net in de Kobb enei, wie kann en Mensch net aus Frankforrd sei!"

Ausdrücklich begrüßen wir es, wenn das Frankfurter Lokalkolorit nun auf die dortigen Zeitungen abfärbt. Wie schön, dass im Feuilleton nicht mehr nur die großen Dinger blinken und prominent zum Himmel winken – nein, wir sehen unsere Kollegen all das beschreiben, was früher musste unkommentiert am Boden bleiben.

So einen Fall aus dem kulturellen Niedriggewächsbereich hat die FAZ ans Licht gebracht; der Übeltäter heißt Peter Feldmann und ist Oberbürgermeister von Frankfurt. Der Sozialdemokrat hat Sittenwidriges über den ökonomischen Nutzen der Kunst gesagt, sie sei ein Schmiermittel, diene der Wirtschaftsförderung und vieles mehr. Das sind schlimme, nein: sehr schlimme Sätze, und tatsächlich kennt die Peinlichkeit, mit der Herr Feldmann die Eigenlogik der Kunst mit Füßen tritt, keine Obergrenze. Aus gutem Grund ruft die christliche FAZ, die so vorbildlich für Obergrenzen kämpft (bei Flüchtlingen, nicht bei Steueroasen), laut "Skandal", auch wenn böse Menschen behaupten, das Blatt habe "de Fleh huste heern", alles sei total übertrieben. "Aus ungeleeschde Eier schlubbe kaa Hinkel."

Leider ist die Angst der FAZ vor der Ökonomisierung der Kunst nur allzu berechtigt und de Käs noch lang nit gesse. Wer möchte schon in einer Welt leben, in der Künstler einer Deutschen Bank zu Diensten sind wie einst der Narr am Hofe? In einer Welt, in der die Kunstpreise durch die Decke schießen und das Sammeln als schönste Form der Steuerhinterziehung gilt? Das wäre eine total traurige Welt, und vermutlich würde Jeff Koons darin Milliardärsjachten anmalen und den Reichen die Füße lecken. Und wenn dann noch – Gott bewahre! – der Kapitalismus ästhetisch würde, dann wäre es die Hölle von Hieronymus Bosch und nicht die Welt, von der Leser einer Frankfurter Allgemeinen Zeitung immer geträumt hatten. Deshalb vorwärts und nicht vergessen: Wer die Kunst vor männlichen SPD-Oberbürgermeistern schützt, der bewahrt ihre Jungfräulichkeit, denn Geld und Kunst sind zwei Paar Schuh, was naturbelassene Frankfurter ja schon immer wussten. "Die Schuh warn vunn Paris, vunn Frankforrd warn die Fiieß."

FINIS