ZEIT: Haben Sie in Deutschland das Gefühl, in einem reichen Land zu sein?

Naaser: Ich wusste vorher schon, dass Deutschland ein reiches Land ist. Ich hatte es gegoogelt.

ZEIT: Bedeutet Reichtum hier etwas anderes als in Afghanistan?

Naaser: Da habe ich auch drüber nachgedacht. Ich glaube, schon. In meiner Heimat konnte ich auf der Straße erkennen, wer reich ist und wer arm. Reiche Leute tragen in Afghanistan teure Kleider, fahren teure Autos, essen in teuren Restaurants. Hier kann ich nicht sagen, wer reich und wer arm ist. Ich glaube, die Einkommensunterschiede sind auch nicht so groß.

ZEIT: Was fehlt Ihnen derzeit?

Naaser: Ein Laptop würde mir das Lernen erleichtern. Ich hatte früher einen, habe ihn aber meinem Bruder überlassen. Hätte ich Geld, würde ich es aber am ehesten für eine eigene Wohnung investieren. Nur, dafür brauchte ich einen Job.

ZEIT: Was planen Sie für die Zukunft?

Naaser: Zuerst Deutsch lernen. Und ich hoffe, ich kann hier zur Uni gehen. Mein Studium in Afghanistan konnte ich ja leider nicht abschließen.

ZEIT: Einen Job könnten Sie auch ohne Studium finden.

Naaser: Natürlich, in einem Restaurant oder so. Aber ich möchte einen besseren Job haben, dafür muss ich studieren oder eine Ausbildung machen.

ZEIT: Sie sind durch halb Europa gereist. Warum sind Sie nicht in einem anderen Land geblieben?

Naaser: Ich habe mein Leben in Afghanistan aufgegeben, um in ein sicheres Land zu kommen. Ich möchte wie ein Mensch behandelt werden. In anderen Ländern haben sie auf uns herabgeschaut, Flüchtlinge haben dort kaum Chancen auf ein gutes Leben. Ich wollte nicht mein Leben lang um Respekt und Würde kämpfen. Deswegen habe ich Deutschland gewählt.