Fernsehproduzentinnen fielen, anders als Spioninnen, Lehrerinnen oder Prostituierte, bisher nicht als besonders charismatische Frauen auf. Zumindest nicht im Kino. Jetzt versehen aber die Hauptfiguren gleich zweier glamourös besetzter Filme diesen merkwürdigen Beruf.

Julia Roberts spielt in Jodie Fosters Money Monster die Produzentin und Live-Regisseurin einer Börsenshow. George Clooney ist deren Moderator, ein grotesk von sich überzeugter Macker, der klamaukige Aktientipps vorträgt, ab und an sogar dazu tanzt. Bis eines Tages ein rachedurstiger Kleinanleger vorbeikommt, der wegen eines Ratschlags aus der Sendung viel Geld verloren hat und vor laufenden Kameras das ganze Fernsehteam als Geisel nimmt.

In James Vanderbilts Der Moment der Wahrheit wiederum sehen wir Cate Blanchett in der Rolle der Mary Mapes. Die reale Figur gleichen Namens arbeitete als Nachrichtenjournalistin für den New Yorker Fernsehsender CBS an der Seite des Moderators Dan Rather (hier: Robert Redford). Berühmt wurde sie für die Ausgabe der Sendung 60 Minutes, in der sie die Folter in Abu Ghraib an die Öffentlichkeit brachte. Wenig später war ihre Karriere vorbei. Auf Dokumenten, deren Echtheit nie bewiesen werden konnte, hatte sie einen Bericht darauf aufgebaut, wie George W. Bush sich 1968 vor dem Einsatz im Vietnamkrieg gedrückt habe. Konservative Blogger brachten Nachforschungen ins Rollen, ihre Recherche wurde zerpflückt. Der Moment der Wahrheit erzählt vom Sturz der Journalistin, basierend auf Mapes’ Buch Truth and Duty: The Press, the President, and the Privilege of Power. Dass in dem Film sehr eindeutig mit ihr gefühlt und jeder Zweifel an ihrer journalistischen Sorgfalt verdrängt wird, hat ihm in den USA viel Kritik eingebracht.

Und tatsächlich kann die Kamera den Blick kaum je abwenden von der wie üblich hinreißenden Cate Blanchett. Das persönliche Drama einer Frau dient James Vanderbilt als Vehikel einer großen Klage um den Journalismus. Zeitungen, heißt es da, lese keiner mehr, Nachrichten würden künftig nur mehr gekauft statt recherchiert, und die Verfilzung von Medienkonzernen und Politik liefere die aufrechtesten Journalisten der Willkür der Macht aus.

Der böse Mann par excellence, ein Konzernboss

Auch Money Monster führt eine populäre Beschwerde, nämlich die über den Zynismus des Finanzsystems. Jodie Foster geht es aber lässiger an, verpackt die wohlfeile Relevanz des Themas in einen Thriller mit hoher Pointendichte. Kalte Blickwechsel zwischen Menschen- und Kameraaugen, die Vervielfältigung der Realitätsebenen, die Inflation der Fantasiewelten lassen auf der Ebene der Bilder spüren, was die Handlung des Films zum Problem macht: die Virtualität aller Werte, der Mitmenschlichkeit, des Geldes. Wobei dieses entfremdete System am Ende doch wieder entlastet wird, als sich ein Schuldiger findet: der böse Mann par excellence, ein Konzernboss.

So verschieden der Ton dieser beiden Filme, so frappierend wirkt die Entsprechung der Figuren: Hinter Männern, die, im einen Fall als Über-Macho, im anderen als Vaterfigur, Prachtexemplare maskuliner Ideale sind, stehen jeweils disziplinierte, bis zur Selbstvergessenheit kompetente Frauen.

Sie steuern ihre Anchormen wie Marionetten durch die zweidimensionalen Schrumpfformen der Wirklichkeit, die sie selbst fürs Fernsehen zurechtgebastelt haben. Die Fernsehproduzentinnen sind Expertinnen für Oberflächen. Und wer weiß heute schon noch, was dahintersteckt? Wer kennt sich aus im Gewirr der Finanzmärkte, im Filz der politischen Interessen? Die Produzentinnen wissen zwar im Zweifelsfall auch nicht Bescheid, aber sie navigieren geschickt durch das Chaos der alternativen Welten und möglichen Wahrheiten. Ob ein paar Hundert Millionen Dollar verschwinden oder ein handfester Skandal sich unter dem Druck der Mächtigen in Luft auflöst: Mit zwei, drei Telefonanrufen und einigen nervösen Shortcuts auf dem Schnittcomputer ihrer Regieräume stellen sie eine plausible Geschichte her.

So emanzipiert diese Frauen wirken, bei genauer Betrachtung sind sie doch klassische Wesen aus Männerfantasien: Frauen als instinktgetriebene Manipulatorinnen. Frauen, die stets mehr wissen als die im Vordergrund sich abstrampelnden Männer, ihnen aber erst im letzten Augenblick durch einen Knopf im Ohr sagen, was sie tun sollen.

Deshalb wirkt die Figur der Fernsehproduzentin in diesen beiden Filmen so unschlagbar plausibel, fast schon ikonisch. Und alle hochfliegende Kritik an den Verhältnissen bekommt auffälligerweise einen blinden Fleck: Die beiden Frauen selbst bleiben, was auch passiert, trostreiche Heroinnen ihres Medienzeitalters.