Hamburgs Grüne haben etwas Richtiges gesagt: Den Muslimen der Stadt stehen nicht genügend Moscheen zur Verfügung. Das ist ein objektiv richtiger Befund, und es sollte möglich sein, ihn unaufgeregt zu diskutieren, ohne in die von Pegida & Co gestellte Hysterie-Falle zu tappen. Hier geht es um Stadtplanung, nicht um den Untergang des Abendlandes. Hier ergibt sich zudem die Möglichkeit, Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und vielleicht sogar teilweise rückgängig zu machen.

Deutschlands Moscheenlandschaft ist traditionell zerklüftet und wenig reguliert – eine Folge des Umstandes, dass der Islam wegen seiner von den Kirchen abweichenden Verfasstheit nicht ohne Weiteres in das Korsett des Staatskirchenrechts passt. Es gibt eben keinen obersten islamischen Gläubigen in Deutschland und auch keine für alle Muslime verbindliche Hierarchieinstanz, die als zentraler Ansprechpartner des Staates dienen könnte. Das ist im Übrigen keineswegs nur von Nachteil, die Diversität der muslimischen Community ist nicht zuletzt deswegen besonders groß.

Kleine Vereine mieten oder kaufen von jeher Räumlichkeiten, wo sie diese bekommen und sich leisten können – es sind schon deshalb oft keine repräsentativen, zu Kontemplation und Dialog einladenden Gebäude. Wenn Gläubige in Industriegebieten schichtweise in schmucklosen Betonschachteln beten müssen, ist damit aber niemandem gedient.

Diesen Zustand zu verbessern ist sinnvoll. Und immerhin gibt es in Hamburg (neben den türkischen Vereinen) mit der Schura, einem Bündnis muslimischer Gemeinden, seit Jahren einen Ansprechpartner, der über ein Mandat verfügt, die Community gegenüber der Politik zu repräsentieren.

Noch besser wäre es allerdings, wenn die Debatte sich nicht um Räumlichkeiten allein drehte. Moscheen sind per se keine verdächtigen Orte. Aber einige Moscheen sind es. Sie wollen oder können sich nicht gegen Radikale zur Wehr setzen. Oder lassen es zu, dass Extremisten ihre Jugendlichen indoktrinieren.

Neue, lichtere, öffentlich besser wahrnehmbare Gebäude können helfen, sicher. Aber sie lösen diese und andere Probleme nicht. Da ist zum Beispiel die immer noch nicht ausreichende Ausbildung von deutschsprachigen Imamen in Deutschland. Dieses Problem ist mindestens so drängend, eher noch größer als das der fehlenden und ungeeigneten Gebetsräume.

Die Moscheebau-Initiative der Grünen ergibt deshalb mehr Sinn als Bestandteil eines umfassenden Planes. Eines Planes, der darin bestehen müsste, die gesamte religiöse Infrastruktur der muslimischen Community zu verbessern und sie – im Wortsinne – näher an die Mehrheitsgesellschaft heranzurücken.

Wenn diese Debatte gelänge, ohne dass sich die Stadt vom Gekreische der islamophoben Rechten völlig irre machen lässt, wäre das ein Schritt nach vorn.