Jochen Distelmeyer, früher Kopf der Band Blumfeld, hat kürzlich ein Album mit Coverversionen veröffentlicht, unter anderem einer herzzerreißenden Version des Britney-Spears-Klassikers Toxic. Auf die Frage, ob er sich weitere solche Alben vorstellen könne, traf Distelmeyer die bemerkenswerte Aussage: "Ein Hip-Hop-Coveralbum würde mich interessieren. Gibt es so noch nicht. Gehört eigentlich nicht zu Hip-Hop als Kunstform."

Das ist einerseits richtig (im Hip-Hop wird selten gecovert), ignoriert andererseits aber auch einen gewichtigen Aspekt. Hip-Hop braucht, im Gegensatz zur Gitarrenmusik, keine Coverversionen, weil er schon ein eigenes, viel ausgefeilteres Bezugnahme-System hat: das Sampling, also die kreative Weiterverarbeitung von Originalaufnahmen anderer Künstler. Wie kompliziert diese Weiterverarbeitung aus rechtlicher Perspektive ist, wurde diese Woche deutlich, als das Bundesverfassungsgericht in einem fast zehn Jahre alten Rechtsstreit zwischen dem Rap-Produzenten Moses Pelham und Kraftwerk den Fall zurück an den Bundesgerichtshof verwies. Die Richter standen Pelham zu, ein Zwei-Sekunden-Sample möglicherweise rechtens genutzt zu haben – auch ohne Erlaubnis. Was, um auf Distelmeyer zurückzukommen, bei Coverversionen ja sowieso kein Problem wäre. Wer covert, ohne Melodie, Harmonie oder Text zu ändern, muss nicht um Erlaubnis bitten, sondern nur die Urheber honorieren. Warum gibt es eine ähnliche Regelung nicht für Samples – wie es das Bundesverfassungsgericht als mögliche Lösung sogar andeutet? Neben juristischen Feinheiten wie dem Tonträgerherstellerrecht, um das es bei der Entscheidung ging, spielen die popkulturellen Machtverhältnisse eine Rolle. Sample-basierte Breitenmusik wie Hip-Hop war bisher noch zu jung, um besonderen Rechtsschutz zu genießen. Vielleicht ändert sich das jetzt, nachdem der Verfassungsrichter Ferdinand Kirchhof darauf hingewiesen hat, Sample-Verbote würden "die Schaffung von Musikstücken einer bestimmten Stilrichtung praktisch ausschließen".

Cover und Sample gleichzusetzen provoziert trotzdem Widerspruch. Ein Cover greife, wird oft argumentiert, nicht in die musikalische Schöpfung ein, das Sample hingegen immer. Musiker müssten verhindern können, dass ihr Werk verhackstückt, geloopt, verbogen wird! Womöglich fußt diese Gegenüberstellung aber auf einer Unterscheidung, die im Pop obsolet ist: zwischen Innen und Außen der Musik. Wenn Distelmeyer Britney singt, dann ist die Differenz zum Original weltengroß, was Pose und Kontext angeht. Viel tiefschürfender kann auch ein samplender Rap-Produzent nicht ins Kraftwerk-Œuvre eingreifen.