DIE ZEIT: Herr Agon, was ist Schönheit?

Jean-Paul Agon: Schönheit ist etwas, was sich viele Menschen wünschen, wonach sie streben – ein Traum, ein Ideal. Zugleich ist sie eine sehr persönliche Einstellung und kulturell höchst unterschiedlich.

ZEIT: Die Franzosen hatten aber immer schon sehr genaue Vorstellungen davon.

Agon: Ja, aber in anderen Teilen der Welt ist das ganz anders. Vor Kurzem habe ich Kenia, Angola, Südafrika und einige andere afrikanische Länder besucht. Und ich habe noch nie Orte gesehen, an denen Schönheit eine größere Rolle im Leben der Menschen spielt. Wissen Sie, wie oft eine afrikanische Frau ihr Haarstyling verändert?

ZEIT: Keine Ahnung. Wie oft?

Agon: Im Schnitt etwa achteinhalbmal pro Jahr. Deutsche und französische Frauen machen das einmal im Jahr, wenn überhaupt. Schönheit bedeutet eben überall etwas anderes.

ZEIT: Was bedeutet sie in Las Vegas? Dort war L’Oréal im Januar auf der Consumer Electronics Show, die ja nicht gerade für schöne Menschen bekannt ist. Eher für neue Technologien.

Agon: Die Schönheit von morgen hat viel mit Vernetzung zu tun. In Las Vegas haben wir ein innovatives Hautpflaster unserer Marke La Roche-Posay vorgestellt. Es warnt Sie vor einer zu großen UV-Belastung in der Sonne.

ZEIT: Angeblich schützen doch schon die Sonnencremes von L’Oréal davor. Oder sollten wir daran zweifeln?

Agon: Dazu besteht kein Anlass. Sonnencremes müssen nur immer wieder neu aufgetragen werden! Hier geht es um das erste technologisch vernetzte Produkt im Marktsegment für Sonnenschutz und Pflege. Es zeigt, wann Ihre Haut wieder Schutz braucht. Es ist noch etwas groß, aber schon bald wird es kleiner und angenehmer zu tragen sein – und ist mit Ihrem iPhone verbunden.

ZEIT: Liegt darin die Zukunft der Kosmetik?

Agon: Ich kenne die Zukunft nicht, aber Digitalisierung spielt darin eine große Rolle, so viel ist sicher. Und Vernetzung hilft jedem, sein individuelles Verständnis von Schönheit zu entwickeln.

ZEIT: Seit ein paar Jahren hat L’Oréal einen Ableger im Silicon Valley. Wollen Sie dort potenzielle Konkurrenten im Auge behalten, damit nicht ein kleines Start-up die Kosmetikbranche revolutioniert, ohne dass Sie es merken?

Agon: Ich bin überrascht, dass Sie das so wahrnehmen. Gemessen am Umsatz, investiert niemand in unserer Branche mehr Geld in Forschung und Entwicklung. Im vergangenen Jahr waren es 3,1 Prozent unseres Umsatzes, also knapp 800 Millionen Euro. Wir glauben fest an Innovation, Forschung und Wissenschaft, und heute bedeutet das auch: Digitalisierung und Vernetzung. Deswegen sind wir in San Francisco. Wir haben zum Beispiel ein Gerät entwickelt, das die Hautfarbe analysieren und so ein Make-up herstellen kann, das perfekt dazu passt.