DIE ZEIT: Herr Knie, die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verändert. Nur eines ist konstant geblieben: Zwei von drei Pendlern fahren mit dem Auto zur Arbeit. Warum?

Andreas Knie: Der Mensch macht seine Lebensplanung mehrheitlich mit dem Auto im Kopf. Es ziehen in Deutschland immer noch mehr Menschen aus Städten raus als in Städte rein. Die Menschen leben auf dem Land und arbeiten in der Stadt – das Auto macht’s möglich.

ZEIT: Aber die Leute pendeln doch nicht zum Spaß. Sie sind dazu gezwungen, weil der Wohnraum in der Stadt teuer und knapp ist.

Knie: Es gibt Städte, und dazu zählen beispielsweise München, Düsseldorf oder Frankfurt, wo der Wohnraum knapp und sehr teuer ist. Aber in den meisten Städten suchen sich die Menschen einen Arbeitsplatz im Zentrum und pendeln abends aufs Land – in die Geisterstadt, die tagsüber ausgestorben ist.

ZEIT: Wie kommen Sie zur Arbeit in Berlin?

Knie: Ich wohne in Kreuzberg und fahre mit U- und S-Bahn zur Arbeit nach Schöneberg. Öfter nutze ich auch Carsharing.

ZEIT: Warum ist es Ihnen wichtig, morgens nicht im Auto zu sitzen?

Knie: Das Auto ist eine Verpflichtung. Ich finde das lästig. Man muss Parkplätze suchen, tanken, waschen. Am besten ist ein Verkehrsmittel, das nur genutzt und wieder vergessen wird.

ZEIT: Es gibt Pendler, die genießen die Freiheit, laut im Auto Musik zu hören und abends ihren Grill auf dem Land anzuschmeißen.

Knie: Stimmt, das machen Millionen so. Ich will das gar nicht abstreiten. Der Stress im Büro ist hoch, viele haben keine Freiräume auf den engen Arbeitsfluren und in den Großraumbüros. Da freuen sich viele auf den privaten Raum am Abend. Musik und Videoclips können Sie heute aber auch mit Ihrem Smartphone in der S-Bahn hören und ansehen, da können Sie in eine andere Welt abtauchen.

ZEIT: Sind andere Verkehrsmittel umständlicher als der Pkw?

Knie: Auf dem Land ist das Auto das bequemste. Aber wenn Sie morgens Stunden im Stau stehen, wie in Köln, Düsseldorf oder München und Stuttgart, da ist das Auto kein Vergnügen mehr.

ZEIT: Sieben von zehn Pendlern auf dem Land sind aufs Auto angewiesen. Wie könnte Mobilität etwa in Ostfriesland organisiert werden?

Knie: Es ist in der Tat richtig, dass rund 60 Prozent der Fläche Deutschlands wirklich plattes Land sind, und hier sind rein statistisch gut 700 Autos auf 1.000 Einwohner zugelassen. Das bedeutet, dass für alle Fahrfähigen praktisch zwei Autos verfügbar sind.