Seit Ewigkeiten hält uns der weibliche Körper in seinem Bann. Schon in der Steinzeit, lange bevor die Schrift erfunden wurde, gab es Aktdarstellungen. Man denke nur an die rund 30.000 Jahre alte, sogenannte Venus von Willendorf – auch sie übrigens ohne Gesicht, wie Frau 8 von 1969, die für 25.000 Euro in der Galerie Poll in Berlin zu haben ist.

Hermann Albert, geboren 1937, hat die annähernd lebensgroße Figur mit ihren Konturen ziemlich abstrahiert. Wie ein einziger breiter Streifen durchzieht der Körper das 150 Zentimeter lange Quadrat der Leinwand. Kopf und Arme verschwinden unter dem rosa Unterkleid, denn sie zieht sich aus. Zu sehen sind ihre rosa Haut, der knapp sitzende Hüfthalter in Beige, braune Strümpfe und Strapse. Sexy? Ja, aber mit einem leicht muffigen Unterton. Gerade dieser Hauch – ja, von was eigentlich? Vielleicht: ein wenig Schweiß auf Synthetik, gerade diese Note macht die Kunst von Hermann Albert so besonders, geradezu liebevoll. Er fängt die Schönheit einer anonymen Frau ein, die schon ein ganz kleines bisschen aus dem Leim gegangen ist. Von Wespentaille kann keine Rede sein. Ein herrliches Bild.

Lisa Zeitz ist Chefredakteurin von "Weltkunst" und "Kunst und Auktionen"