Eine Ratte im Haus? Bloß nicht, denkt man da. Und so verwundert es auch nicht, dass es in diesem Bilderbuch eine Ratte ist, die einen krawalligen Auftritt als ungebetener Gast hinlegt. Die Ratte ist flink ("Schneller als ich denken kann, hat sie meine Latschen an"), anpassungsfähig ("Werf ich mich aufs Kanapee, kommt auch sie auf die Idee") und auf den ersten Blick hässlich.

Doch das muss man nicht auf ihre Gattung und damit verbundene Vorurteile zurückführen – das ist Buddes Stil. Dicke schwarze Linien umranden ihre comicartigen Figuren, die kaum Hals haben, dafür aber riesige unförmige Nasen, Augenringe und blonde Strähnen auf dem Kopf. Mit schmutzigen Farben und wenigen Strichen schenkt Budde ihnen skurril liebenswerte Ausdrücke. Verbunden mit herrlichen Reimen, die Erwachsene noch mehr als Kinder erheitern, entwickelt sich jene unschlagbare Komik, die man bereits aus ihren anderen Bilderbüchern kennt.

Dieses Mal verzichtet die Zeichnerin aber darauf, ein ganzes Kabinett kauziger Figuren vorzustellen, sie konzentriert sich auf Mann und Ratte. Heraus kommt die Geschichte einer Zweierbeziehung, die zu eng wird. Treffend zeigt Budde die Leere, die der andere hinterlässt, wenn er plötzlich weg ist. Was man Ratten aber auch nachsagt: Sie vermehren sich rasant: Am Ende liegen sieben Latschen im Flur – genug für die ganze Sippe.

Nadia Budde: Vor meiner Tür auf einer Matte. Ab 4 Jahren; Peter Hammer Verlag 2016; 32 S., 15,90 €