Wir suchen ein Au-pair-Mädchen. Gerade haben wir ein erstes Skype-Interview geführt. Jetzt sitze ich mit meiner Frau auf dem Sofa.

Meine Frau: Und? Wie fandst du sie?

Ich: Gut, aber ein bisschen zu ...

Sie: Ein bisschen zu was?

Ich: Zu französisch.

Sie: Kein Wunder. Sie ist ja auch Französin.

Ich: Ja, und so lebendig. Die wird sich gar nicht um die Mädchen kümmern. Bloß Party machen.

Sie: Ich fand sie nett. Aber okay. Die nicht.

Nach dem zweiten Skype-Interview.

Ich: Und? Wie fandst du sie?

Meine Frau: Etwas merkwürdig. Sie hat gefragt, wie oft die Deutschen duschen?

Ich: War wahrscheinlich ein Sprachproblem. Ich meine, sie ist Kolumbianerin ...

Sie: Konstantin, das war doch kein Sprachproblem. Wir haben gefragt, ob sie noch Fragen hat, und sie hat gefragt, wie oft die Deutschen duschen.

Nach dem dritten Skype-Interview.

Ich: Und? Wie fandst du sie?

Meine Frau: Ein bisschen zu unterwürfig.

Ich: Ich auch. Alle sagen, man soll eine Osteuropäerin nehmen. Eine Polin. Oder eine Georgierin. Bloß keine Amerikanerin. Weil die Osteuropäerinnen hart arbeiten und sich nicht beschweren. Aber dann ist es ja bloß Ausbeutung.

Sie: Komm, wir schreiben dieser Amerikanerin.

Nach dem vierten Skype-Interview.

Meine Frau: Also, ich fand sie gut. Fantasievoll, kreativ. Und sie will mit den Mädchen basteln und ihnen Englisch beibringen.

Ich: Ja, ich fand sie auch gut.

Zwei Monate später, das erste Abendessen, das Au-pair aus den USA hat einige Gläser Wein getrunken.

Ich: Also, du hast in San Francisco gewohnt. Was hast du da gemacht?

Au-pair: Ich hab gemacht freies Theater.

Ich: Freies Theater?

Au-pair: Ich hatte eine Gruppe, die gespielt hat meine Theater ... wie sagt man auf Deutsch?

Frau: Theaterstücke.

Au-pair: Ja, richtig. Aber von meine Theaterstücke kann ich nicht leben in San Francisco.

Ich: (skeptisch) Was für Stücke hast du geschrieben?

Au-pair: Es ist experimentell. Es ist Rhythmus. Ich hab Rhythmus gern.

Zwei Stunden später, wir liegen im Bett.

Ich: Warum hast du eigentlich gesagt, dass du ihre Stücke lesen willst?

Meine Frau: Mich interessiert, was sie schreibt.

Ich: Mich interessiert überhaupt nicht, was sie schreibt. Sie soll auf die Mädchen aufpassen, nicht experimentelle Literatur schreiben. Wir hätten ja auch nicht Samuel Beckett gebeten, auf unsere Mädchen aufzupassen.