1. Lektion: Was ist Risiko?

Shit happens. Im Leben geht eben manchmal etwas schief. Doch mit etwas Glück lässt sich der Schaden wieder ausgleichen oder wenigstens erträglicher machen. Vorausgesetzt, das Leid lässt sich auch nur annähernd in Euro und Cent ausdrücken. Geld macht Risiken beherrschbar, es bedeutet Sicherheit. Was im Umkehrschluss natürlich auch bedeutet, dass Sicherheit stets einen Preis hat.

Versicherungsunternehmen sind dafür da, diese Sicherheit anzubieten und dafür einen Preis zu ermitteln. Die Kunden – auch Versicherungsnehmer genannt – bezahlen ihn in Form regelmäßiger Prämien. In der Summe nimmt die Versicherung mit den Prämien aller Kunden so viel Geld ein, dass sie die Schäden der wenigen Betroffenen ausgleichen kann. Der typische Vertrag zwischen beiden Seiten besagt: Passiert etwas, hilft die Versicherung dem Kunden aus der Patsche. Passiert nichts, sind seine Prämien weg. In erster Linie geht es also ums Risiko. Aber was ist das eigentlich?

Der Begriff Risiko umschreibt die Wahrscheinlichkeit eines Schadens. Beide Variablen – Wahrscheinlichkeit und Schaden – sollte man getrennt voneinander betrachten.

Frage eins: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit eines Schadens? Es kommt ganz drauf an. Dass einem in einer Großstadt sein Fahrrad geklaut wird, ist ziemlich wahrscheinlich. So etwas passiert eben (etwa 340.000-mal im Jahr). Ebenso kann es passieren, dass das Eigenheim abbrennt. Allerdings liegt die Zahl der gemeldeten Hausbrände mit etwa 200.000 pro Jahr deutlich unter der der registrierten Fahrraddiebstähle, und der Anteil der Totalschäden durch Feuer beträgt davon nur einen Bruchteil. Wer also sowohl ein Fahrrad als auch ein Haus besitzt, sollte sich – wenn er ausschließlich die Wahrscheinlichkeit betrachtet – lieber gegen den Diebstahl als gegen eine Feuersbrunst versichern.

Jetzt Frage zwei: Wie groß ist der mögliche Schaden? Ein neues Fahrrad kostet Geld, aber weit weniger als ein neues Haus. So betrachtet, sollte man sich also gegen den größeren möglichen Schaden versichern.

Die Entscheidung ist nur nach einer Abwägung zwischen Wahrscheinlichkeit und Schadenshöhe sinnvoll. Es wäre ziemlich bescheuert, seine Villa gegen einen extrem unwahrscheinlichen Schaden zu versichern, etwa die Zerstörung durch Außerirdische. Ähnlich blödsinnig wäre auch eine Versicherung für ein Rad, das man vor Jahren für ’n Appel und ’n Ei auf dem Flohmarkt gekauft hat.

Die grobe Faustregel für Versicherungen lautet: Lässt sich ein möglicher Schaden verschmerzen oder ohne große Probleme aus der eigenen Tasche begleichen, ist eine Versicherung unnötig. Handelt es sich hingegen um ein existenzbedrohendes und nicht völlig absurdes Risiko, ist man mit einer Versicherung gut bedient. Dann kommt der nächste Schritt: die Suche nach den richtigen Angeboten.

2. Lektion: Versicherungen, die man haben muss

Manchmal hat man keine Wahl. Eine Reihe von Absicherungen werden per Gesetz vorgeschrieben. Die wichtigsten sind die Sozialsysteme, die vor Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Altersarmut schützen sollen. Auch hier gibt es allerdings Ausnahmen, denn in der Regel sind diese Versicherungen an ein Arbeitsverhältnis als Angestellter geknüpft.

Normale Angestellte müssen in die Rentenkasse einzahlen, die Arbeitgeber beteiligen sich an den Beiträgen. Auch bei der Krankenversicherung ist das so: Wer angestellt ist und nicht mehr als 56.250 Euro im Jahr verdient, muss sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Die kann er sich aussuchen, die Leistungen sind aber normiert und somit sehr ähnlich. Nicht berufstätige Ehepartner sowie Kinder werden kostenlos mitversichert. Bei der Beitragshöhe kommt es nicht auf Alter oder Gesundheitszustand an, sondern auf das Einkommen, also die Leistungsfähigkeit. Das ist ein Ergebnis des Sozialgedankens.

Wer viel verdient oder selbstständig ist, kann sich privat krankenversichern. Auch Beamte tun das, aber nur in geringem Umfang, weil für sie auch die staatliche Beihilfe einspringt – ein weiteres Sicherungssystem. Die Prämien der privaten Krankenversicherung hängen vor allem vom Gesundheitszustand ab und können sich jederzeit ändern. Jedes Familienmitglied zahlt eigene Beiträge, unabhängig vom Einkommen. Für gesunde, junge und gut verdienende Singles sind private Anbieter oft günstiger als gesetzliche Kassen, im Alter ändert sich das meist. Eine Rückkehr ins gesetzliche System ist aber nur schwer möglich.

Weitere Versicherungen sind für Autobesitzer, Hundehalter und spezielle Berufsgruppen wie Anwälte oder Ärzte vorgeschrieben. Damit sollen deren potenzielle Opfer geschützt werden. Ob ärztlicher oder juristischer Kunstfehler, Autounfall oder Hundebiss – die Folgen für die Betroffenen können gravierend sein. Sie sollten dann nicht auch noch das Risiko tragen müssen, dass sie auf ihren Schäden sitzen bleiben, weil beim Verursacher nichts zu holen ist. Ohne spezielle Haftpflicht darf man in Deutschland kein Auto zulassen, nicht Anwalt oder Arzt werden – und sich in einigen Bundesländern auch keinen Hund kaufen.