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Vorspiel: Ein älterer Herr steuert im Keller seines Hauses den Trafo einer Modelleisenbahn, mit der anderen Hand hält er ein Telefon ans Ohr. Sein Gesprächspartner ist ein etwas jüngerer und schwererer Mann – er telefoniert im Fond seines Dienstwagens, ein Chauffeur fährt ihn durch die Nacht.

Mann im Auto:Horst, was soll das schon wieder mit der Erbschaftsteuer. Wir hatten uns doch geeinigt. Die Merkel ist voll genervt.

Mann am Trafo: Schweigt.

Er legt eine kleine Figur, die aussieht wie der Mann im Auto, auf die Schienen.

Mann im Auto: Horst, bist du da?

Mann am Trafo: Ja, Sigmar, ich denke nach.

Mann im Auto: Horst, so geht das nicht. Am Donnerstag in Berlin bist du nach 40 Minuten abgehauen. Schäuble war sauer. Du kannst doch nicht immer die Bundesregierung in eine Krise stürzen, nur weil dir etwas nicht passt.

Mann am Trafo: Maut.

Legt eine weitere Figur auf die Schienen. Die Figur ähnelt der deutschen Bundeskanzlerin.

Mann im Auto: Horst, fang nicht schon wieder damit an. Die Maut geht grad nicht.

Mann am Trafo: Herrschaft des Unrechts.

Stellt wirr grinsend eine Weiche, der Zug biegt um eine Kurve und fährt auf die beiden Figuren zu.

Mann im Auto: Horst, jetzt werd nicht albern! Also, deine Unternehmer ...

Mann am Trafo: ... bayerische Familienunternehmer ...

Er beschleunigt den Zug.

Mann im Auto: Also, deine bayerischen Familienunternehmer wollen, dass sie ihr privates Vermögen erst ab fünf Mitarbeitern offenlegen müssen, wenn sie von der Erbschaftsteuer befreit werden wollen. Wir wollen das schon ab drei Mitarbeitern ...

Mann am Trafo: Schweigt.

Mann im Auto: Horst, meine Partei ist die Partei der Arbeiter. Wie soll ich erklären, dass sie für ihr Einkommen höhere Steuersätze bezahlen als Millionenerben, die für ihr Erbe nichts getan haben?

Mann am Trafo: Schweigt.

Mann im Auto: Horst, keine Steuer, selbst wenn die Unternehmen für zig Millionen Euro erben! Wäre es nicht sinnvoll, wenn Erben zumindest zeigen müssten, dass sie wirklich nichts bezahlen können? Hartz-IV-Empfänger müssen doch auch zeigen, dass sie Hilfe vom Staat zu Recht bekommen.

Mann am Trafo: Schweigt.

Der Zug nähert sich mit hohem Tempo den Figuren.

Mann im Auto: Horst, meine Partei ist viel größer als deine ...

Mann am Trafo: Hihi ...

Mann im Auto Traurig zu sich selbst: Also noch ...

Mann im Auto: Horst, also gut. Keine Bedürftigkeitsprüfung bei fünf und weniger Mitarbeitern.

Die beiden Männer legen auf. Der Mann im Fond des Autos schläft sofort ein. Im Keller mit der Eisenbahn entgleist ein Zug.