Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Manche meinen, Demokratie und Wahlen seien untrennbar miteinander verbunden. Das stimmt nicht ganz, zumindest nur in einer Verbindungsrichtung. Demokratie ohne Wahlen ist schwer vorstellbar. Obwohl in manchen Demokratien die Wahl schwerfällt oder die Entscheidung zwischen Not und Elend gar nicht wirklich als Wahlmöglichkeit wahrgenommen wird. Wahlen ohne Demokratie hingegen sind durchaus möglich, man denke nur an gewisse Ereignisse in der Türkei. Wahlanfechtungen sind nicht nur in Demokratien möglich, sondern auch in Bananenrepubliken. Dort muss man auf seine Stimme überhaupt gehörig aufpassen, denn es kann passieren, dass die abgegebene Stimme rasch wieder verloren geht, so als hätte man den Stimmzettel nicht in eine Urne, sondern ins Nirwana geworfen. Es kann aber auch geschehen, dass Missstände bei der Auszählung nicht protokolliert werden, weil der bevorzugte Kandidat ohnehin vorne liegt. Zudem kommt es auch vor, dass die Wahlkarten vorzeitig ausgezählt werden, gleichgültig, wer vorne liegt, nur aus dem simplen und keineswegs betrügerischen Grund, später die Siesta nicht unterbrechen zu müssen. Wie gesagt, seinesgleichen ist in Bananenrepubliken allgemeine Praxis. Nun trifft die ebenso wichtige Nachricht ein, irgendein Designer habe bei der Präsentation seiner Männerkollektion Models mit klar ersichtlichen Hautverunreinigungen, mit Pickeln und Mitessern, auf den Laufsteg geschickt. Was für ziemliche Empörung sorgte. Man mag nun einwenden, diese ästhetische Geschmacksübertretung hätte mit demokratischen Grundsatzfragen nichts zu tun. Falsch. In der geheuchelten Empörung liegt die Übereinstimmung. Natürlich weist auch die Demokratie Hautunreinheiten auf. Das Prêt-à-porter dieser Republik ist in der Realität nicht immer kleidsam, aber wohl das einzige Gewand, das dem Land noch bleibt.