Die Kunsthalle hat es vorgemacht: Sie öffnete nach anderthalb Jahren Umbauzeit im Mai wieder – und nahm einen Monat lang keinen Eintritt; den übernahm Alexander Ottos Firma ECE. Das Resultat: Der Mai, schwärmte Direktor Hubertus Gaßner, "war einer der besucherstärksten Monate in einem deutschen Kunstmuseum überhaupt". 205.000 Menschen sahen sich die Werke von der mittelalterlichen Malerei bis hin zur Gegenwart an. Das habe "alle Erwartungen übertroffen!", sagte Hubertus Gaßner.

Ist das nicht ein ausbaufähiges Modell? Wenn das Kunstbedürfnis der Hamburger und der Hamburg-Besucher derart groß ist, dass sie zuhauf ins Museum strömen, wenn es mal nicht 12 oder 14 Euro kostet – wieso reduziert man die Eintrittspreise denn nicht, oder streicht sie ganz? Ein Museum soll doch sowieso Bildungseinrichtung für alle sein. Und: Seit der Eintritt ins Folkwang Museum in Essen kostenlos ist, hat sich die Zahl der Besucher verdreifacht. Seit in Großbritannien die Dauerausstellungen in den Museen for free sind, schlendern ganz normale Angestellte in der Mittagspause in die National Gallery. Wäre freier Eintritt nicht eine viel bessere Vermittlungsleistung als jedes Dinner mit Monet, als all die langen Nächte? Braucht man die paar Euro vom Eintritt überhaupt?

Durchaus, sagt Enno Isermann von der Kulturbehörde. "Wie jede andere Einrichtung in der Stadt müssen auch die Museen einen Teil ihrer Kosten durch eigene Einnahmen decken." Und außerdem: Es gibt bei den Hamburger Museen nicht nur allerlei Rabatte und Ermäßigungen für Bedürftige, schon jetzt kommen unter 18-Jährige umsonst rein. Würde man gleich alle ohne Eintritt hineinwinken, kalkulierte Julia Daumann vom Museum für Völkerkunde neulich für den NDR, fehlten in ihrem Haus Einnahmen von etwa 300.000 Euro im Jahr.

Rechnet man das hoch auf alle Museen, weiß man, warum es schwer werden dürfte, für den freien Eintritt in der Politik eine Mehrheit zu finden. Zumal sich hartnäckig die Ansicht hält, dass man mit solchen Aktionen doch nur die Leute locke, die immer kämen – im Gegensatz zur Sichtweise in Großbritannien, aber da waren die Leute ja auch so wahnsinnig, für den Brexit zu stimmen. Man braucht also einen Sponsor. Doch Alexander Otto kann schließlich nicht alles bezahlen.

Und: Wäre das nicht ein falsches Signal? In einer Stadt, in der nicht mal öffentliche Toiletten umsonst sind – würde man da, wenn Kunst nichts kosten würde, am Ende nicht denken, die sei nichts wert?