Der Einreisestopp für Muslime ist ein Trump-Klassiker; nach Orlando hat er nun jene drei Millionen aufs Korn genommen, die bereits in Amerika leben: "Die assimilieren sich nicht wirklich. Und ich rede über die zweite und dritte Generation."

Wie die meisten seiner Sprüche ist auch dieser falsch. Wie misst man Assimilation? Man vergleiche die Sitten und Gebräuche der Neuen mit denen des Rests der Republik. Siehe da: Die Muslime sind so amerikanisch wie alle anderen. Ebenso viele – drei Viertel – trennen Müll. Sie verbringen fast genauso viel Zeit vor dem Fernseher. Und fast sechs von zehn sind in den Sozialen Netzwerken unterwegs – in der Gesamtbevölkerung sind es nur 44 Prozent.

Es wird noch besser. Muslime sind zufriedener mit Amerika: Gut sechs von zehn meinen, dass "es gut läuft" in der neuen Heimat, was nur 23 Prozent der Bürger insgesamt glauben (Pew Research Center, A Portrait of Muslim Americans). Eine frühere Pew-Studie (2007) wirft ein Schlaglicht auf die Kluft zwischen Amerika und Europa. Entschieden mehr US- als Euro-Muslime bekunden, es gehe Frauen in der neuen Heimat besser als in der alten. Das Gefühl der Nichtzugehörigkeit teilt weniger als die Hälfte; in Europa sind es zwei Drittel.

Assimilation heißt: Ich will Amerikaner werden! Auf der Patriotismus-Skala liegen Muslime vor allen anderen Einwanderern. Von diesen beantragen nur 50 Prozent die Staatsbürgerschaft, bei den Muslimen sind es 70. Trump weiß also nicht, wovon er redet.

Warum die Integration in den USA so gut funktioniert, dafür gibt es drei Gründe. Erstens: Selbstselektion. Aus der islamischen Welt gehen viele nach Amerika, um dort zu studieren (und zu bleiben); als Gruppe sind sie besser ausgebildet als etwa Türken in Deutschland oder Algerier in Frankreich. Die Einkommen belegen das. Der Anteil jener, die 100.000 Dollar oder mehr melden, ist fast so hoch wie unter den Alteingesessenen. Dramatisch ungleicher geht es dagegen in Europa zu.

Zweitens: nationale Vielfalt der Neuen. Anders als in Europa, wo jeweils eine Nationalität dominiert, etwa Marokkaner in Belgien, kommen Amerikas Muslime aus achtzig Ländern – von Indien über Iran bis Ägypten, unterteilt in unzählige Sekten. Das Gemisch stärkt den Druck aufs gedeihliche Zusammenleben. Parallelwelten wie in Molenbeek werden hier rasch aufgesogen.

Drittens: religiöse Toleranz (oder besser: Indifferenz) auf beiden Seiten. Amerika kennt keine Staatsreligion; jeder kann nach seiner Fasson selig werden, sich sein Gotteshaus bauen. Unter den Muslimen sorgt die chaotische Sektenvielfalt dafür, dass sich die Gläubigen untereinander sowie mit Christen und Juden vertragen müssen. Der Moschee-Architekt Chris McCoy bringt’s auf den Punkt: "Es geht nicht darum, ob die Kuppel nach saudischem oder indischem Muster gebaut wird, sondern darum, ob man sich überhaupt eine Kuppel leisten kann." Geld schlägt Gott.

Wie gut die Assimilation läuft, zeigen auch die hässlicheren Statistiken. Die Harvard-Soziologin Mary Waters notiert: "Amerikaner zu werden heißt, weniger Sport zu treiben, fetter und straffälliger zu werden." Herzkrankheiten und Scheidungsraten passen sich in der zweiten Generation ebenfalls an. Der Schmelztiegel funktioniert also im Guten wie im Schlechten – wie einst für Deutsche, Iren, Polen und Juden. Bloß sind dem Demagogen Zahlen und Trends egal.