Nein, es ist kein Scherz: Es gibt zu wenig Biomilch in der Schweiz. Jetzt, in den warmen Sommermonaten, wenn die Menschen Lust auf Mozzarella haben, auf Joghurt, Frischkäse, Quark, Lassi-Drinks oder Milchshakes. Doch just in dieser Zeit sind die Kühe weg, welche die Milch für all diese Frischprodukte liefern sollten. Sie sind auf der Alp. Ganze drei Monate lang.

Dafür fehlt die Milch in den Großmolkereien im Mittelland. So auch bei der Züger Frischkäse AG, einem Familienunternehmen bei Wil. Seit Anfang Juni muss sie darum Biomilch aus Deutschland importieren: Vier Millionen Kilogramm bis Ende Sommer. Das hat ihr die eidgenössische Zollverwaltung erlaubt. Mit der Auflage, dass jeder Mozzarella und jeder Becher Frischkäse, der damit hergestellt wird, subito wieder exportiert wird. "Aktiver Veredelungsverkehr" nennt sich das Verfahren. Für Züger sei dies eine "absolute Notlösung" und das einzige Mittel, um Aufträge nicht zu verlieren. Das Branchenblatt Bauernzeitung hatte die Geschichte vergangene Woche aufgeschnappt.

Es ist absurd: Da klagen die Schweizer Bauern über viel zu niedrige Milchpreise, und gleichzeitig muss eine Molkerei tonnenweise Milch importieren. Nicht nur an ein paar Tagen, sondern während mehrerer Monate.

Christof Züger kann seinen Ärger nicht verbergen. Letztes Jahr habe man das Sommerloch gerade noch überbrücken können, sagt der CEO des fünftgrößten Milchverarbeiters in der Schweiz. "Doch jetzt ist fertig. Wir bekommen einfach nicht genügend Milch auf dem Schweizer Markt." Seine Firma wächst und wächst. Längst ist sie raus aus der Bio-Nische. Ihre Produkte stehen in den Regalen der Großverteiler. Züger profitiert davon, dass 2007 der Käsemarkt in der Schweiz liberalisiert wurde. Heute verkauft er die Hälfte seiner Produktion ins Ausland.

Doch der lange Alpsommer stört das Geschäft empfindlich. "Für uns sind in dieser Zeit 30 Prozent weniger Milch verfügbar", sagt Züger. "Die Nachfrage von unseren Kunden ist aber um 10 bis 15 Prozent größer. Das geht einfach nicht auf."

Dass in der Schweiz ein Molkerei-CEO und die Chef-Bauern gleichzeitig jammern, hat seine Gründe. Die einheimische Milch wird auf zwei parallelen, voneinander fast unabhängigen Märkten produziert. Hier die konventionell hergestellte Milch, die mit rekordhohen Überkapazitäten und sinkenden Preisen kämpft. Dort die biologisch hergestellte Milch mit einem moderat wachsenden Anteil (5,6 Prozent) und einem seit fünf Jahren stabilen Preis.

Zwei Drittel seiner Milch bezieht Christof Züger direkt bei den Bauern, den Rest über verschiedene Handelsorganisationen. So auch beim Biomilchpool, dem größten Vermarkter von Biomilch im Land. Auf 550 Höfen sammeln seine Tanklaster die Milch ein und liefern sie an die Kunden.