Ist natürlich ein Spaß, dieser Titel: No Sports. Merkt man gleich, wenn man auf dem Cover Boris Becker im Trainingsoutfit stehen sieht, der für vieles steht, aber sicherlich nicht für eine Abwendung vom Sport. No Sports müsste eigentlich "Jeder Sport außer Fußball" heißen, aber weil das kein besonders schmissiger Slogan für ein neues Magazin ist, haben sich die Entwickler um den 11Freunde- Chefredakteur Philipp Köster für die provokante Variante entschieden: Sport mit Nicht-Sport zu verkaufen.

Was der schlaue Leser – der Leser muss ja schlau sein, um diesen Gag zu verstehen – dann in Händen hält? Ein Magazin mit herrlichen Bilderstrecken (Nahaufnahmen von Ringern nach dem Kampf), mit amüsanten Rubriken (bei "Lernen von den Profis" verstehen, wie der perfekte Tischtennis-Aufschlag funktioniert). Aber auch ein Magazin, das sich noch nicht richtig was traut. Und das hat wiederum mit Boris Becker zu tun.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 28 vom 30. Juni 2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Wer über Sport schreibt, der kein Fußball ist, hat eine Auswahl an Disziplinen und Athleten zur Verfügung, die gen unendlich tendiert. No Sports ist für seine erste Ausgabe auf Nummer sicher gegangen. Im Tennis gibt es keine größere Figur als Becker. Also haben sie Boris Becker begleitet. Im Handball gibt es kein beliebteres Team als die Deutsche Nationalmannschaft, die in diesem Jahr Europameister wurde. Also haben sie eine Geschichte über dieses Team gemacht. Im Radsport gibt es keinen besseren Deutschen als Marcel Kittel. Also haben sie den Athleten porträtiert.

Die Geschichten sind alle gut zu lesen und interessant bebildert. Sie sind in ihrer dramaturgischen Richtung aber auch erwartbar. Was das Heft trotzdem zur Entdeckung macht, sind die Spezialthemen. Zum Beispiel: Dart. Wie ein britischer Kneipensport zu einer europaweiten Massenbewegung wurde. Oder: ein Gespräch mit dem ehemaligen Zehnkämpfer Jürgen Hingsen, der in den Achtzigern muskelbepackt und mit Freundin im Arm auf den Titelbildern posierte – und dann abstürzte.

Das Magazin No Sports, das Gruner + Jahr alle zwei Monate rausbringen will, ist eine Wette: Wenn sich alle Sportarten zusammentun, sind sie für den Leser genauso spannend wie der übermächtige Fußball. An mangelndem Selbstbewusstsein wird die Idee nicht scheitern. Immerhin bringen die Macher das erste Heft in einer Zeit auf den Markt, in der alle auf die Fußball-EM schauen.