Deutschland steckt in der Krise, der Autor sucht einen Ausweg. Nach seiner Diagnose haben Linke und Liberale das Land in eine "Gouvernanten-Demokratie" verwandelt. "Eine arrogante Minderheit" manipuliere mit ihrer "Monopolstellung in der Meinungsbildungsapparatur" eine "geduldige Mehrheit". Sie nutze einen tief verwurzelten "Nationalmasochismus" aus, um als verlängerter Arm der Sieger von 1945 die wirkliche Souveränität des Landes zu verhindern. Die einzige reale Alternative für Deutschland komme von rechts. Dafür sei jedoch der Abschied vom etablierten Konservatismus nötig, eine radikale Neubestimmung des rechten Lagers. "Ein Liberalkonservativer in der Bundesrepublik" ist für ihn ein Mann, "der bereits kapituliert hat".

Das sind vertraute Töne, doch stammen sie weder von einer Dresdner Pegida-Tribüne noch vom AfD-Parteitag. Die Feindbestimmungen nimmt Armin Mohler Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre während der sozialliberalen Koalition in einer Reihe prominenter Artikel vor. Für Mohler hat die übliche Rede von "linkem Fortschritt" und "rechtem Bewahren" nie Gültigkeit besessen. Im CSU-eigenen Bayernkurier frohlockt er, dass "heute die Konservativen die unzufriedene, auf Veränderung bedachte politische Schicht sind". Sie seien die "wirklichen Revolutionäre", während die Linke nur noch den Status quo verteidige.

Auf die Kritik aus den eigenen Reihen, für einen Konservativen zu extrem zu sein, antwortet er: "Die Definition, was ›konservativ‹ sei, ist bereits ein politischer Akt." Man müsse das Feld nach rechts öffnen und 1945 verlorenes Terrain zurückerobern.

Der 1920 in der Schweiz geborene Armin Mohler war als Journalist und Schriftsteller eine Schlüsselfigur bei der Reorganisation der äußersten Rechten in der Bundesrepublik. Mohlers Schüler wie der mittlerweile fernsehbekannte Verleger und Publizist Götz Kubitschek schwingen Reden vor Pegida-Versammlungen und beeinflussen die AfD. Ihr Traum einer Revolution von rechts steht in einer langen, untergründigen Geschichte politischer Theorie.

Mohler kommt darin eine tragende Bedeutung zu. Im liberalen Basel aufgewachsen, nennt er als prägendes Ereignis seiner Jugend die Lektüre von Ernst Jüngers Arbeiter. Der Essay skizziert ein modern-heroisches Gegenmodell zum vermeintlich auf Sicherheit und persönlichen Gewinn bedachten "Bürger".

Die Kriegszeit in der ruhigen Schweiz zu erleben ist Mohler nicht mannhaft genug, er fühlt sich dort "monumental unterernährt". Das treibt ihn 1942 illegal ins Deutsche Reich, wo er sich der Waffen-SS anschließen will. Später schreibt er, die deutsche Bürokratie habe ihn abgeschreckt. Statt an die Ostfront geht er lieber einige Monate nach Berlin und fährt dann heim. Dort erwartet ihn als Angehörigen der Schweizer Armee eine Haftstrafe wegen seines deutschen Abenteuers.

Nach 1945 arbeitet Mohler als Journalist. Ernst Jünger wird auf ihn aufmerksam und engagiert ihn 1949 als Privatsekretär.

Mit der geistigen Welt Jüngers ist Mohler bestens vertraut. Er hat gerade seine Dissertation Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932 vorgelegt. Mit dem paradoxen Begriff verquickt er Hunderte unterschiedlichster Autoren des deutschen Nationalismus zu einer politischen Strömung und versucht, sie vom Nationalsozialismus zu entlasten. Dieser Kunstgriff, der mit einigen gewagten Konstruktionen, Auslassungen und Legenden aufwartet, soll einen rechten Neubeginn schaffen. Mohlers Neigung gilt darin deutlich den am italienischen Faschismus orientierten Autoren wie Oswald Spengler oder dem NS-Juristen Carl Schmitt.

Mohler ist stolz, dass sein Buch die demokratisierten Nachkriegskonservativen schockiert, weil es daran erinnert, "daß der deutsche Konservatismus früher durchaus Ideologien hatte". Vor allem die These des Autors, der einem völkischen Neuheidentum anhängt, dass Christentum und Konservatismus sich ausschlössen, weil ein Christ notwendig zu einem Linken werden müsse, stößt auf Widerstand.

Insgesamt bleibt der Einfluss der Arbeit aber auf die akademische Debatte beschränkt, zumal die letzten lebenden Koryphäen der Strömung wie Martin Heidegger es scheuen, sich politisch zu exponieren. Auch Mohlers Meister Ernst Jünger will lieber als Literat in Erinnerung bleiben, nicht als der militante Republikfeind und völkische Propagandist der zwanziger und dreißiger Jahre. Diese Selbstumdeutung Jüngers führt zum Bruch zwischen den beiden. Mohler geht 1953 als Korrespondent nach Paris, wo er für Schweizer und deutsche Blätter – unter ihnen auch die ZEIT – die Entwicklung der Fünften Republik aufmerksam beobachtet und zum Verehrer des Präsidenten Charles de Gaulle wird.