Gebraucht wird jemand, der Mauern einreißt

An der Limburger Tragödie war für mich das Schlimmste, dass so viele Menschen verletzt, ja aus der Kirche vertrieben wurden. Da ging es nicht nur um Geldverschwendung! Viel schlimmer war, dass in unserem geliebten Bistum ein System mit totalitären Zügen etabliert wurde. Ich würde dem neuen Bischof gern sagen: Unsere Kirche darf nicht länger zulassen, dass die Abhängigkeit von einer einzigen Führungsfigur so groß wird, dass Widerspruchsgeist weder strukturell vorgesehen noch persönlich erwünscht ist. Was tun? Unser Bistum ist geschrumpft und gespalten. Gebraucht wird jemand, der Mauern einreißt. Ich wünschte, alle Fehler, auch die der Bischofskonferenz, würden dokumentiert durch eine unabhängige, nichtklerikale Arbeitsgruppe. Unsere Kirche soll Wunden heilen, nicht nur darüber reden! Dafür wünsche ich dem Bischof Kraft und Mut und breite Unterstützung. Ich wage zu hoffen, dass er Fantasie und Einfühlungsvermögen besitzt. Wir müssen gemeinsam etwas verändern.

Hubertus Janssen, 78, war Gefängnisseelsorger und 35 Jahre lang Pfarrer einer Gemeinde im Bistum Limburg

Der Ausnahmezustand ist vorbei

Wir brauchen in Limburg jetzt keinen Helden, sondern einen Bischof, der Spaß daran hat, mit den Leuten unterwegs zu sein. Es ist, wie wenn gestautes Wasser endlich wieder ins Flussbett kann. Ich glaube, Georg Bätzing wird es bei uns leicht haben. Denn der Ausnahmezustand ist vorbei, unser Bistum steht nicht mehr unter Kuratel. Ich kenne den neuen Bischof noch nicht persönlich, aber mir gefällt, dass er gesagt hat, er sei auch ein bisschen erschrocken über die neue Aufgabe – und dass er sie trotzdem angenommen hat. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Davor habe ich Respekt. In Trier sind sie offenbar sehr traurig über seinen Weggang. Ich wünsche ihm, dass er nun nicht denkt, in Limburg kommen schwierige Zeiten. Sondern dass es schön wird bei uns!

Johannes zu Eltz, 58, ist Stadtdekan in Frankfurt am Main und Domkapitular von Limburg. Er hat an der Wahl des neuen Bischofs teilgenommen

Keine samtweiche Konfliktvermeidung!

Als ich hörte, dass Rom im Bistum Trier nach einem Kandidaten für die Limburger Bischofswahl suchte, dachte ich erst an die Weihbischöfe dort. Dann fiel mir Georg Bätzing ein. Für ihn sprach: seine Erfahrung als Generalvikar, seine dicke Haut in Konflikten, seine Bescheidenheit, die mitgestaltende Rolle bei der Trierer Synode und nicht zuletzt seine Herkunft aus der nahe bei Limburg gelegenen Bistums-Exklave. Eine ziemlich gute Mischung!

Ich kenne ihn schon lange. Im Lauf meines Lebens bin ich dem Studenten, dem Kaplan, dem Regens und dem Generalvikar Bätzing begegnet. Seine Autorität nahm zu, sonst hat er sich wenig verändert. In Konflikten war er stets ein ruhiger und standfester Gegner: freundlich, sachlich, klar. Als er im Jahr 2014 gegen die Mitarbeitervertretung des Bistums Trier vor Gericht zog, weil sie seines Erachtens mit einer kritischen Pressemitteilung gegen die Bistumsleitung ihre Kompetenzen überschritten hatte, erklärte er: "Ich will nur wissen, ob die das Recht haben. Dann wissen wir, woran wir sind." Das war keine Rechthaberei. Aber es war auch nicht der bei Kirchenmännern so beliebte Weg samtweicher Konfliktvermeidung. Wenn Georg Bätzing sich in Limburg treu bleibt, kann er das Bistum wieder zur inneren Einheit führen.

Ludwig Ring-Eifel, 55, ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA)

Seelsorgerische Qualitäten

Der neue Bischof der Diözese Limburg wird dankbar erwartet – seine Erfahrungen als Leiter eines Priesterseminars und als Generalvikar werden ihm sicher in der neuen Aufgabe sehr helfen. Ein echter Oberhirte kennt die Sehnsucht der Menschen. Hier geht es um Nähe zu den Gläubigen, um seelsorgerische Qualitäten und um einen pragmatisch-unkomplizierten Umgang mit dem Erbe seines Vorgängers. Alles Gute und Gottes Segen wünsche ich Georg Bätzing für seine neue Aufgabe, bei der er ja nach den vorausgegangenen Turbulenzen besonders aufmerksam beobachtet werden wird.

Monika Grütters, 54, ist Kulturstaatsministerin und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

Auf das Kirchenvolk hören!

Während Bischof Tebartz-van Elst sich sein teures Bischofshaus leistete, sollten die Gemeinden unbedingt sparen. Da schnellten nicht nur in Limburg die Kirchenaustrittszahlen in die Höhe. Wird Georg Bätzing die Gräben überbrücken können, die sein Vorgänger hinterlassen hat? Es ging ja nicht nur um Geld, sondern um den Leitungsstil. Der neue Bischof kann nicht alle vom Vorgänger geschassten Mitarbeiter wieder einstellen. Aber er sollte auf das Kirchenvolk hören, um Vertrauen zurückzugewinnen. Ein konkreter Schritt könnte die baldige Einberufung einer Synode sein, so wie es Papst Franziskus in Rom und auch Bätzings Bistum Trier vorgemacht haben. Großartig wäre, wenn der neue Bischof den nächsten Ökumenischen Kirchentag 2019 nach Frankfurt am Main holt.

Christian Weisner, 64, ist Sprecher der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche"