Es ist so weit. Seit vergangenem Samstag können Käufer von Elektroautos einen Zuschuss beantragen: 4.000 Euro für reine E-Autos, 3.000 Euro für Plug-in-Hybride, die Kurzstrecken elektrisch fahren können, aber auch einen Verbrennungsmotor an Bord haben. Den Zuschuss bezahlen Staat und Autobauer je zur Hälfte.

Da kommen die groß angekündigten Initiativen von VW, Audi, Daimler und Co. in Sachen Elektroautos scheinbar gerade richtig. "Bis 2025 wird der Volkswagen-Konzern mehr als dreißig vollelektrische Fahrzeuge auf den Markt bringen", versprach Konzernchef Matthias Müller jüngst in Wolfsburg. In zehn Jahren erwarte man, "etwa zwei bis drei Millionen" rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen. Schon zuvor hatte Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber in Stuttgart verkündet, dass man in den nächsten beiden Jahren sieben Milliarden Euro in die Entwicklung von E-Fahrzeugen stecken werde. Und Konzernchef Dieter Zetsche gab kürzlich vor Kanzlerin Angela Merkel und dem Wirtschaftsrat der CDU zu Protokoll: Ziel sei es, "ab 2020 jedes Jahr eine sechsstellige Zahl an Elektrofahrzeugen zu verkaufen".

Sind also die Zeiten bald vorbei, in denen sich die deutschen E-Auto-Enthusiasten vorwiegend bei ausländischen Fabrikaten wie Tesla, Nissan, Mitsubishi oder Renault umschauen mussten? Kommen jetzt die Stromer en masse auf deutsche Straßen?

Fest steht: Bislang ist die Konkurrenz den Deutschen voraus. Tesla und General Motors (Chevrolet, Opel) wollen noch 2017 erschwingliche Kompaktfahrzeuge mit mehr als 300 Kilometer Reichweite auf den Markt bringen. Der Chevy Bolt/Opel Ampera-e und der Tesla Model 3 sollen in einfachen Varianten für 35.000 Euro erhältlich sein. Noch wird zwar nicht produziert, aber das Interesse scheint groß zu sein: Nur eine Woche brauchte Tesla-Chef Elon Musk, um mehr als 325.000 Interessenten in aller Welt jeweils 1.000 Dollar Vormerkgebühr für den kleinen Tesla abzuknöpfen.

Für die deutschen Konkurrenten wie BMW war das ein Schock, denn trotz Milliardenaufwand haben die Bayern von ihrem Carbon-Elektroflitzer i3 im letzten Jahr nur 30.000 Autos weltweit abgesetzt.

Aber Ende September auf dem Automobilsalon in Paris wollen die deutschen Konzerne kontern. Sie wollen zeigen, dass sie keinesfalls erst nach dem Dieselskandal darauf gekommen sind, dass "das Auto der Zukunft elektrisch fährt", wie Dieter Zetsche sagt.

Der Daimler-Chef will in Paris das Geheimnis seines "EVA-Concept-Car" lüften, das bei der Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrats noch mit einem Tuch bedeckt blieb. Der coupéartige SUV könnte als Serienmodell den Namen Mercedes ELC tragen.

Audi-Chef Rupert Stadler wird den weiterentwickelten Sport Quattro e-tron präsentieren, der als Serienmodell Q6 e-tron heißen könnte und ebenfalls als SUV daherkommt.

Porsche-Chef Oliver Blume kann wohl die nächste Entwicklungsstufe seines 600 PS starken Elektrosportlers Mission E vorstellen.

Und Volkswagen-Markenchef Herbert Diess wird mit einem Kompaktauto – Arbeitsname NUVe – aufwarten. Dem ersten VW, bei dem kein E-Antrieb in ein herkömmliches Fahrzeug implantiert, sondern das ganze Auto von Anfang an als Stromer konzipiert wurde. Er habe "die Größe eines VW Golf und den Innenraum eines VW Passat", heißt es in Wolfsburg. Vielleicht lässt Diess auch noch seinen geplanten E-Bulli (Budd-e) auffahren, eine moderne Reminiszenz an den legendären VW-Bus.

Das Ziel ist klar: Die deutschen Autobauer wollen demonstrieren, dass sie den Vorsprung von Tesla wettgemacht haben. Wie bei den großen Teslas soll der Akku bei all diesen E-Autos für bis zu 500 Kilometer reichen.

Allerdings: Wer die neuen deutschen Tesla-Gegner ordern und die Kaufprämie mitnehmen will, könnte Pech haben. Der Zuschusstopf ist auf 1,2 Milliarden Euro limitiert, und bis die Show-Cars aus Paris auf die Straße kommen, wird es noch dauern: Der vollelektrische Audi ist für "Sommer 2018" versprochen, VWs NUVe ist für 2019 avisiert, dann soll auch der teure E-Porsche vom Band laufen. Daimler verspricht sein vollelektrisches SUV-Coupé noch für "diese Dekade", und der avisierte "große" Elektro-BMW wird wohl frühestens 2020/21 in Serie gehen. Und beantragen kann man die Prämie erst, wenn tatsächlich auch ein Kaufvertrag abgeschlossen wurde.