Als Erste mussten die Studenten dran glauben. Nur drei Tage nachdem die Schweizer im Februar 2014 der EU in einer Volksabstimmung die kalte Schulter gezeigt hatten, hieß es aus Brüssel: Sorry, das war’s mit dem Erasmus-Programm. Ihr seid raus. Der Aufschrei war riesig, die Verunsicherung groß. Die Studenten schimpften: Ihr verbaut uns die Zukunft! Die Rektoren warnten die Politiker: Seid vorsichtig, es geht um unsere Jugend! Man war sich einig: Hier ist ein Land auf dem Weg zurück in die Bildungsprovinz.

Die Stimmung war wie dieser Tage in Großbritannien, wo Studenten nach dem Brexit um ihr Auslandssemester fürchten.

Nun, in der Schweiz kam es dann doch anders. Ganz flog das Land nämlich nicht aus dem europäischen Austauschprogramm. Als "Drittstaat" ist es bis heute dabei. Seit April 2014 zahlt nicht mehr Brüssel den Aufenthalt eines Schweizer Studenten an eine andere Uni, sondern Bern, 25 Millionen Franken kostet das das Land im Jahr. Die einzelnen Hochschulen mussten alle Verträge mit ihren ausländischen Partnern neu verhandeln – einige ausländische Spitzen-Unis sprangen dann tatsächlich ab.

Aber wer als Schweizer Student ins Ausland gehen will, der kann das noch immer problemlos tun. Und auch für Deutsche, Belgier oder Franzosen, die in St. Gallen, Zürich oder Lausanne studieren wollen, ist gesorgt: Sie können sich an ihrer Heimatuniversität für einen Aufenthalt in der Fremde bewerben. Die Kosten übernimmt die Eidgenossenschaft. In Europa abseits stehen hat halt seinen Preis.