Als Richard und Maurice McDonald vor siebzig Jahren in Kalifornien das Konzept eines Selbstbedienungslokals für Hamburger entwickelten, stießen sie auf Unverständnis. Als Koral und Onur Elci vor vier Monaten in Ottensen ihre Focacceria Bonassola eröffneten, war die Welt besser vorbereitet – die Fachwelt jedenfalls. Fünf Seiten widmete ein angesehenes Branchenmagazin den international aktiven "Genussrebellen", die nach diversen Pop-up-Restaurants nun endlich sesshaft wurden. Ursprünglich hatte es eine Pizzeria werden sollen; doch dann fanden die Brüder etwas, das noch einfacher und zugleich überraschender ist.

Wer das verwinkelte Souterrainlokal betritt, findet das Credo der Einfachheit sympathisch umgesetzt. Man wähnt sich in einer alteingesessenen mediterranen Bar, mit gefliesten Wänden und Regalen voller Olivengläser. Je nach Tageszeit sitzen hier entspannte Gäste beim Frühstückskaffee, Mittagsimbiss oder aperitivo nach Feierabend.

Zu essen gibt es in der Focacceria hauptsächlich das, was der Name verspricht. Die Focaccia ist ein Sauerteigbrot aus dem Holzofen, üblicherweise kräftig gewürzt und bis zur Sättigung mit Olivenöl getränkt. Auch hier setzen die Elcis lieber auf Bewährtes als auf kurzlebige Trends. Schon die Römer buken das "fokussierte Brot". Sein Charme liegt in der Vielseitigkeit. Man bekommt eine Ahnung davon, wenn man in die Vitrine schaut. Da gibt es die Klassiker "grün" und "weiß", also mit oder ohne Kräuter, aber auch Varianten mit Belag. Heute sind es Artischocken, Kirschtomaten oder Oliven und Sardellen.

Wer das nur sieht, denkt an Pizza. Aber das vergisst man gleich wieder, wenn man abbeißt. Hier geht es nicht um den Kontrast von saftig und knusprig, sondern den von würzig und fluffig.

Noch bedeutsamer ist ein anderer Unterschied: Die Focaccia isst man kalt oder lauwarm. Darum wird dieses Lokal kostensparend im Stil einer Bäckerei geführt. Der Kunde lässt sich Stücke abschneiden und bezahlt nach Gewicht. Die Waage dafür ist so charmant wie der Heiland neben der Kasse ("Jesus liebt auch dein Trinkgeld").

Die Focaccia ist gut; mild im Geschmack und zart am Gaumen, vergleicht man sie etwa mit dem Konkurrenzprodukt von Bäcker Gaues, einem kaltschaumartigen Ungetüm voller Meersalz und Rosmarin. Man schmeckt auch, wie sorgsam die Zutaten für den Belag ausgewählt wurden. Trotzdem fragt man sich, wie die Gründer mit diesem Konzept expandieren wollen. Trendküche braucht nun mal Gäste, die von ihr nicht genug kriegen können. Diesen Punkt erreicht man aber gerade bei der Focaccia sehr schnell. Darum ist man erleichtert, wenn die Verkäuferin den Rest vom fetten Brot einpackt. Daheim starrt man dann zweifelnd auf den Ölfleck, der sich durch drei Lagen Papier in die Tasche gearbeitet hat. Focaccerien an jeder Ecke – ist das nun der Stein der Weisen, oder liegt er bloß so im Magen?

Focacceria Bonassola, Große Rainstraße 20, Ottensen. Tel.: 39 89 34 37, www.focacceria-bonassola.com. Geöffnet montags bis freitags von 8 bis 22 Uhr, samstags und sonntags von 9 bis 22 Uhr. Eine Portion kostet um die 5 Euro.