Die Kammerspiele sind eines der schönsten Theater der Stadt. Klassizistische Architektur, edles Interieur. Die Gala der Privattheater befüllt die Szenerie mit einem Publikum, das man in Anbetracht der milden Sommerstimmung unprätentiös nennen möchte. Der Kulturbürger erscheint in Cordhose und Gesundheitsschuhen. Man kleidet sich umgekehrt proportional zum Stilwillen des Bühnengeschehens, das dank Gesangseinlagen und herziger Witzchen vonseiten der Moderatoren als ambitioniert gelten darf.

Bei den Damen dominiert das eng anliegende Kleid, ergänzt mit Leder- und Jeansjäckchen (gesehen unter anderem bei Jasmin Wagner und Ayla Yeginer). Ein emanzipiertes Outfit: Sowohl Dinner im Anglo-German Club als auch Ritt in den Sonnenuntergang mit einem Biker-Rebellen sind denkbar.

On Stage bestreitet Helen Schneider, 60, das musikalische Programm. Mit ihrem Bubikopf sieht sie aus wie Isabella Rossellini mit einem Schuss Mireille Mathieu. Ihr Kleid: ein Cape-artiges Etwas. Das Dessin: ein Klimt-Gemälde nach einem Säureattentat. Aber das macht nichts – sie bleibt die große amtierende Tragödin des Folkjazz in Deutschland.

Ansonsten Lässigkeit an der Grenze zum Laisser-faire. Den Jumpsuit zum Beispiel – Styledominante dieser Saison – erkennt man als das, was er wirklich ist: eine Mischung aus Arbeitsoverall, Strampelanzug und Pyjama. Selbst Julia Nachtmann, Schauspielerin mit der Statur einer Profiturnerin, kann ihm nicht das Regressive nehmen.

Das Privattheater sei eines, das niemanden erschrecke, unkt Moderator Michael Ehnert später am Abend. Also irgendwie sieht man das anders.

Wer da war: Johannes Klaußner, Rüdiger Kruse, Love Newkirk, Jasmin Wagner, Dietrich Wersich