An einem Mittwochmorgen in der dritten Stunde treffen wir Hakim, Tim, Lea und Rozerin an ihrer Schule, dem Johannes-Brahms-Gymnasium in Hamburg-Bramfeld. Die vier gehen zusammen in die siebte Klasse und haben sich sofort gemeldet, als sie hörten, dass wir Schüler suchen, die mit uns über Vorurteile sprechen wollen und darüber, ob es an ihrer Schule Rassismus gibt.

KinderZEIT: Zurzeit wird in Deutschland viel darüber diskutiert, wie Menschen unterschiedlicher Herkunft gut zusammenleben können. Wie sieht das in eurer Klasse aus?

Rozerin: Wir haben alle einen deutschen Pass. Man merkt eigentlich nicht, wessen Eltern woanders herkommen.

Hakim: Ich mache mir darüber gar keine Gedanken.

Tim: Ich frage manchmal schon, wo jemand herkommt: Ist doch interessant!

Lea: Ich werde das selbst öfter gefragt, weil mein Nachname polnisch klingt.

KinderZEIT: Wisst ihr denn, welche Länder so vertreten sind in der Klasse?

Lea: Ein paar Mitschüler kommen aus Kroatien, dann gibt’s noch Serbien, Polen und Dänemark.

Tim:Ghana.

Hakim: Und Senegal, also auch Afrika.

Rozerin: Afghanistan. Und eine Türkin haben wir auch.

KinderZEIT: Das macht mindestens neun verschiedene Länder. Spielt das im Schulalltag keine Rolle?

Lea: Meistens nicht. Charakter und Interessen sind viel wichtiger.

Rozerin: Mir auch. Aber wenn ich so darüber nachdenke, würde ich nicht sagen, dass ich mich als Deutsche fühle – allein schon vom Aussehen her. Manchmal werden ja auch Kommentare abgelassen, an denen man merkt, dass es nicht egal ist, wer Deutscher ist und wer Ausländer.

KinderZEIT: Was für Sprüche sind das?

Lea: In unserem Klassenchat fiel mal das Wort "Scheißflüchtlinge". Und du, Tim, meintest doch auch mal, es nervt dich, dass es in den Medien ständig um Flüchtlinge geht, oder?

Tim: Stimmt. Aber ich habe gar nichts dagegen, dass sie herkommen, wenn es in ihrem Land Krieg gibt. Das verstehe ich sehr gut. Mich nervt nur, wenn es dauernd um dieses eine Thema geht.

KinderZEIT: Wie schätzt ihr die Stimmung in Deutschland gegenüber Menschen anderer Herkunft im Moment ein?

Lea: Nicht gut. Flüchtlingsheime werden angezündet, es gibt Pegida, und in manchen Bundesländern hat die Partei AfD über 20 Prozent. Das spricht nicht für einen offenen Umgang miteinander.

Hakim: Ich habe neulich ein Video von der AfD geguckt, da stand eine ältere Frau vor einem Asylbewerberhaus und behauptete, dass es in der Gegend jetzt mehr Einbrüche gibt. Das ist ein ganz beschissenes Vorurteil. Ich dachte, das kann alles nicht wahr sein.

KinderZEIT: Fühlst du dich von so etwas mit angegriffen?

Hakim: Ja, schon. Das hat in letzter Zeit auch ein bisschen zugenommen.

KinderZEIT: Rozerin, wie ist es bei dir?

Rozerin: Unsere Nachbarn haben leider etwas gegen Ausländer. Sie beschimpfen uns durch die Decke als Kanaken und behaupten, wir würden nicht arbeiten gehen, obwohl die im Gegensatz zu uns den ganzen Tag rumgammeln. Ich werde dann traurig und wütend zugleich.