Schnell jetzt, wir machen hier keinen Stadtbummel. Wenn du in Koblenz bist, für zwei Stunden, bevor du wieder weitermusst, dann willst du nicht rein in die Stadt. Du willst durch. Bummeln, schlendern, das kannst du überall. Hier willst du wieder raus. Nein, nix Widerspruch, ich erklär’s dir unterwegs.

Komm, raus aus dem Bahnhof, schnurstracks durch die Löhrstraße. Da vorne wird sie zur Fußgängerzone. H&M, Tchibo, Galeria Dingsda, wie überall. Komm weiter. Viertelstunde bis zur Altstadt, zu den vier Türmen, mittelalterlichen Eckgiebelhäusern, die sich am Ende der Löhrstraße über die Kreuzung hinweg anschauen. Schön, ja, aber nur nicht stehen bleiben. Ist eng im alten Stadtkern. Giebelspitzen, Kirchtürme. Da vorne, der Münzplatz, unter dem liegt der Hügel, den sich die Römer ausgeguckt hatten. Für ihre Siedlung. Weil hochwassersicher, und das will hier was heißen. Castellum apud confluentes nannten sie den neuen Außenposten: "Kastell beim Zusammenfluss". Hieß bald nur noch Confluentes, klar. Weil kürzer. Und nach den Römern irgendwann einfach Kowelenz. Das sagen sie hier heute noch.

Also Konfluenz von Rhein und Mosel. Aber wo? Verrückt – wonach die Stadt benannt ist, was sie besonders macht, das siehst du nicht, wenn du drin bist. Das siehst du nur von zwei Orten aus. Der erste, gut, das ist das Deutsche Eck. Mit Wilhelm I. als kupfernem Reiter drauf, in seinen fiesen Granitsockel gemeißelt: "Nimmer wird das Reich zerstöret, wenn ihr einig seid und treu" – dahin müsstest du schon alleine gehen.

Lieber hier lang, Richtung St. Kastor zum Rheinufer. Promenade? Nix Promenade, Diagonale! Da, die Seilbahn, schräg über den Rhein, rauf auf die Oberkante des Schieferbrockens am östlichen Ufer. Der Ehrenbreitstein. Kein schlechter Name, auch für die Festung obenauf. Was für ein Brocken. In fünf Minuten sind wir oben.

Die Seilbahn ist von der Bundesgartenschau vor fünf Jahren übrig geblieben. Rundumblick-Glaskabine, überspannt fast einen Kilometer. Hält ein paar technische Rekorde, vor allem aber ist sie schnell: 16 km/h. Guck runter. Da, das olle Reiterstandbild, könnte von oben auch ein römischer Zenturio sein, oder? Erkennst du die Farbgrenze, wo das Mosel- aufs Rheinwasser trifft? Im Norden das Neuwieder Becken, im Westen fängt die Eifel an, da gibt’s Vulkane. Nach Süden, guck schnell, ins tiefe Tal rein: Da geht’s Richtung Loreley, das ist romantischer Mittelrhein. Und da unten in der Mitte der Koblenzer Stadtkern, wie ein schräges Dreieck zwischen zwei Flüssen, mitten im Rheinischen Schiefergebirge, durch das sich Wasser und Hochwasser gefräst haben. Schau runter, und stell dir vor: die Enge weg, die Kirchen weg, die Dächer und die Promenade. Nur ein römisches Lager auf einem Hügel am schönsten Ort Germaniens.

Fahren wir gleich wieder runter? Fünf Minuten Diagonale und ab zum Bahnhof. Dann schaffst du deinen Zug noch. Was, essen? Auf dem Ehrenbreitstein? Und den Ausblick genießen? Schon, in der Spitze der Festung gibt es das Casino. Aber dann vergiss deinen Zug. Die machen auf regional und Slow Food.