Vergangene Woche erreichte uns eine gute Nachricht von einer Geochemie-Konferenz in Tokio: In Tansania, am vulkanisch aktiven Ostafrikanischen Graben, hatten britische Forscher riesige Helium-Vorräte entdeckt. Heißes Magma setzt das Gas aus dem Gestein frei. Das Siebenfache des Weltjahresverbrauchs soll dort schlummern. Die Forscher mutmaßen sogar, dass an vergleichbaren Stellen weltweit weitere Helium-Lager existieren, man müsse die Quellen nur wie ein Gasfeld anbohren.

Das werden Betreiber von medizinischen Kernspintomografen ebenso gern hören wie Forscher oder Ingenieure der Halbleiterindustrie. Denn überall dort, wo Maschinen auf Tiefsttemperaturen gekühlt werden müssen oder wie beim Schweißen ein besonders reaktionsunfreudiges Gas gefragt ist, braucht man Helium. Nun kann die Menschheit, so scheint es, zumindest in Bezug auf dieses Edelgas in eine sorgenfreie Zukunft blicken.

Aber ist die Botschaft vom ostafrikanischen Helium-Eldorado tatsächlich ein Grund zum Feiern? Ist es gut, wenn ein begrenzt vorhandener Rohstoff sehr wenig kostet? Schauen wir uns den Ölpreis an. Der Liter Superbenzin ist zurzeit immer noch vergleichsweise billig. Das ist zunächst mal positiv, denn so bleibt mehr Geld für die Verbraucher, und die Inflationsrate hält sich auf niedrigem Niveau. Wenn Öl auf Dauer jedoch zu billig ist, zahlen bald alle drauf. Dann lohnt die Ölförderung nicht mehr, dann bricht manchen Staaten die wichtigste Einnahmequelle weg. Es gibt weitere Beispiele. Weil indonesisches Tropenholz fast nichts kostet, verschwinden dort rasant die Wälder. Und europäische Bauern müssen wegen des Preisverfalls bald ihr Naturprodukt Milch in den Gulli entsorgen.

Eine ähnliche Erfahrung mussten auch die Abnehmer von Helium machen. 75 Prozent des Weltbedarfs stammen aus den USA. Dort waren Vorräte lange Zeit in riesigen unterirdischen Kavernen eingelagert. Dann beschloss die Regierung, diesen Schatz aufzulösen. Der Preis verfiel. Manche prassten mit dem billigen Stoff und ließen zuhauf Helium-Ballons in den Himmel steigen.

Jetzt sind die amerikanischen Speicher fast leer, und der Preis für das mittlerweile rare Gas schnellt in die Höhe. Forscher und Medizinbetriebe besinnen sich deshalb auf einen sparsamen Umgang. Wer weiß, welche Aktionen die Ballonindustrie startet, wenn Helium durch den afrikanischen Fund zur Ramschware wird? Und welche politischen Auswirkungen die lukrative Helium-Produktion in Ländern hat, die selbst nichts damit anfangen können?

Auch der Rohstoff Helium ist endlich. Irgendwann folgt doch die hohe Rechnung. Besser ist es, Ressourcen zu schonen. Das heißt, Anreize für Recycling schaffen, Preissprünge durch staatliche Lager ausgleichen und Verschwendung bestrafen. Adieu, bunter Helium-Ballon!