DIE ZEIT: Herr Hitzlsperger, nach der Fehlschussorgie der Deutschen gegen Italien und zu den letzten K.-o.-Spielen des Turniers stellt sich die Frage: Kann man Elfmeter überhaupt sinnvoll üben?

Thomas Hitzlsperger: Klar kann man Elfmeter üben. Aber tägliches Training ist trotzdem keine Garantie, jeden Elfmeter eines Spiels zu versenken.

ZEIT:Joachim Löw sagte, trotz Vorbereitung sei die Wettkampfsituation, durch den langen Weg zum Punkt, eine andere Angelegenheit.

Hitzlsperger: Man kann zwar nicht die Zuschauer zum Training einladen, um dieselbe Situation zu simulieren, aber man kann eine solche Drucksituation durchaus proben.

ZEIT: Wie funktioniert das?

Hitzlsperger: Indem man am Ende einer anstrengenden Einheit Elfmeter schießt. Während der WM 2006 musste jeder Spieler beim Training den langen Weg zum Elfmeterpunkt gehen und vorher sagen, in welche Ecke er schießen wird.

ZEIT: Haben sich die Schützen daran gehalten?

Hitzlsperger: Ich glaube schon. Zumindest haben sie es versucht ...

ZEIT: Sollten Spieler wie Özil oder Schweinsteiger, die verschossen haben, wieder antreten?

Hitzlsperger: Je früher sie das tun, desto besser. Wer aber mehrmals hintereinander verschießt, ist gut beraten, eine Pause einzulegen.

ZEIT:Thomas Müller hat erklärt, er ziehe sich jetzt erst mal zurück und werde seine Strategie überdenken – um dann gestärkt wieder anzutreten. Was könnte er damit gemeint haben?

Hitzlsperger: Er hat in der Champions League gegen Atlético Madrid verschossen, nun gegen Italien, das ist bitter. Bedeutender ist aber, dass er in der regulären Spielzeit wieder an seine alte Form anknüpft. Sobald es Thomas Müller gelingt, aus dem Match heraus seine Gefahr auszuspielen, wird er sich auch wieder an einen Elfmeterpunkt trauen.

ZEIT: Haben Sie selbst einschlägige Erinnerungen an den Elfmeterschützen Hitzlsperger?

Hitzlsperger: Ich habe mich mehr auf Ecken und Freistöße konzentriert. Damit habe ich meiner Mannschaft einen größeren Gefallen getan, als Elfmeter zu schießen. Um den Elfmeterpunkt habe ich einen weiten Bogen gemacht.